Shooting Star Enno Trebs: „Jemand muss dich sehen, bevor es alle tun“
| Redaktion
Ohne Casting gäbe es viele Karrieren nicht. Für Enno Trebs ist die Zusammenarbeit mit Casting Directors mehr als ein beruflicher Schritt – sie ist Vertrauensarbeit. „Casting Directors bringen dich an den Tisch“, sagt er. „Und sie bleiben wichtige Partner im Prozess.“ Es ist dieser Moment des frühen Gesehenwerdens, der oft den Anfang markiert – lange bevor Preise, Festivals oder internationale Aufmerksamkeit folgen. Manchmal führt dieser Weg schließlich dorthin, wo Talente europaweit ins Rampenlicht treten: zu den European Shooting Stars.
Die European Shooting Stars gelten als eine der renommiertesten Auszeichnungen für junge Schauspielerinnen und Schauspieler in Europa. Namen wie Daniel Brühl, Heike Makatsch oder Jürgen Vogel stehen exemplarisch für eine Generation, die diesen Preis früh erhielt – und bis heute im Geschäft präsent ist. Das muss man erst einmal schaffen.
Jedes Jahr wählt die European Film Promotion im Rahmen der Berlinale zehn Talente aus unterschiedlichen Ländern aus, die als prägend für die kommende Generation gelten. Viele frühere Shooting Stars sind längst international etabliert – nicht als kurzfristiger Hype, sondern als nachhaltige künstlerische Stimmen.
2026 gehört Enno Trebs zu dieser Auswahl. Vertreten von der Münchner Agentin Andrea Lambsdorff, die seit vielen Jahren starke Schauspielpersönlichkeiten begleitet und nun bereits zum vierten Mal eine*n Shooting Star betreut, reiht er sich in diese beeindruckende Riege ein.
Bei der Berlinale treffen wir uns im Trubel mit den anderen Shooting Stars zum Interview – mit dem Bewusstsein, Teil eines Programms zu sein, das nicht auf schnellen Glanz setzt, sondern auf Beständigkeit und künstlerische Handschrift.
Du hast deinen Shooting-Star-Post nicht sofort veröffentlicht, um „nicht mit dem Jesuskind zu konkurrieren“, wie du auf Instagram geschrieben hast. Wie ironisch oder strategisch gehst du mit Social Media um?
Lachend: Das war ehrlich gesagt einfach lustig gemeint. Über die Feiertage wurde alles entschieden, und man ist ja familiär in einem ganz anderen Modus. Ich war wahrscheinlich einfach ein bisschen spät dran, und das war mein ironischer Kommentar dazu.
Ich versuche tatsächlich auf Instagram, so unstrategisch wie möglich zu bleiben. Ich glaube, Authentizität hat viel damit zu tun, dass man sich nicht permanent inszeniert. Ich möchte auf Social Media so wahrgenommen werden, wie ich bin. Dazu gehört vielleicht auch eine gewisse Unbedarftheit im Umgang mit Promotion. Also unstrategisch, aber bewusst.
Wie fühlt man sich als Shooting Star? Was war deine unmittelbare Reaktion, als du davon erfahren hast?
Man bekommt ja mit, dass man nominiert ist, und dann dauert es lange, bis die Entscheidung fällt. Mit diesem Gedanken bin ich eine ganze Weile schwanger gegangen, wollte mich aber nicht zu sehr darauf einschießen. Ich war stolz auf das, was ich in den letzten Jahren gemacht habe, aber erwarten tut man es eigentlich nie.
© Harald Fuhr für efp
Als der Anruf kam, war ich sehr glücklich. Ich bin Fan dieses Programms. Es gibt das seit fast 30 Jahren, und die Schauspielerinnen und Schauspieler, die dort ausgewählt wurden, sind unglaublich stark. Mich da einreihen zu dürfen, war eine große Ehre.
Du hast im besagten Weihnachtspost mit einen Hashtag Deborah Congia gedankt. Wie wichtig sind Casting Directors für dich?
Sehr wichtig. Deborah hat mich nicht nur für Projekte vorgeschlagen, sie hat mich auch mit meiner Agentin zusammengebracht. Ich verdanke ihr sehr viel. Casting Directors sind gerade am Anfang extrem wichtig, weil sie dich überhaupt erst an den Tisch bringen. Und sie bleiben wichtige Partner und Partnerinnen.
Du warst 14 Jahre alt, als du in „Das weiße Band“ gespielt hast. Woran erinnerst du dich heute besonders?
Vor allem an die Naivität. Ich war ein Kind und habe es auch so erlebt. Es war aufregend, toll, ein Ort, an dem Spiel plötzlich zu Kunst wurde. Aber genau diese Naivität sollte man Kindern zugestehen. Sie müssen Kinder bleiben dürfen. Es darf nicht zu sehr professionalisiert werden.
Ich habe viel gedreht in meiner Jugend, aber ich war in erster Linie Schüler. Wirklich entschieden habe ich mich erst nach dem Abitur. Ich war ein Jahr im Ausland, kam zurück und wusste: Jetzt musst du ehrlich sein. Was macht dir wirklich Spaß? Und ich habe gemerkt: Es gibt keinen anderen Ort, an dem ich diesen spielerischen Aspekt so ernsthaft betreiben kann.
Nach der Ernst Busch warst du am Deutschen Theater im Ensemble. Wie kam es zur Entscheidung, stärker in den Film zu gehen?
Ich war drei Jahre fest im Ensemble. Mit dem Intendanzwechsel kam ein Moment der Neuorientierung. Theater und Film stehen sich organisatorisch manchmal im Weg. Ich hatte die Möglichkeit zu sagen: Jetzt gehe ich mal all in auf Film.
Aber ich liebe Theater. Ich werde immer versuchen, beides miteinander zu verbinden.
Wo liegt deine Stärke? In der Stimme, im Körper, im Blick – oder in etwas, das man nicht sofort sieht?
Ich glaube, meine Stärke liegt in meiner körperlichen Präsenz. Ich bin groß, komme aus einer Sportlerfamilie, wir sind sehr körperlich. Gleichzeitig kann ich das unterwandern, weil ich vielleicht sensibler oder zarter bin, als man zunächst denkt.
Am Anfang wird man schnell in ein Bild gedrängt: groß, kräftig, also bitte der Macho oder Brutalo. Aber das bin ich nicht. Mich interessiert diese Widersprüchlichkeit. Ich habe das Potenzial für Kraft und Intensität, kann es aber auch zurücknehmen.
Und was man vielleicht weniger sieht: Ich bin eigentlich ein sehr humorvoller Mensch. Leicht. In diese Richtung würde ich gern mehr ausprobieren. Eine Komödie würde mich sehr reizen.
Gehst du gern auf die Berlinale?
Ja, sehr. Ich finde es großartig, dass wir dieses Festival hier haben. Je ehrlicher und intimer Gespräche auf einem Event möglich sind, desto lieber bin ich dort. Manche Veranstaltungen sind hedonistischer – das ist auch okay. Beides gehört dazu.
Und gibt es neben dem öffentlichen Schauspieler noch einen anderen Enno?
Es gibt nur den Schauspieler Enno.
https://efp-online.com/programs/european-shooting-stars
Enno Trebs wird von der Agentur Lambsdorff vertreten, die somit zum vierten Mal einen Shooting Star im Rennen hat.
https://agentur-lambsdorff.de/schauspieler/enno-trebs/?utm_source=chatgpt.com