CN Klappe
"Schauerleute und Kopfschlachter"
| Das Gespräch führte: Tina Thiele
Peter Reinhardt Steckbrief
Peter Reinhardt stand bereits vor dem Abitur auf diversen Laienbühnen. Nach dem Wehrdienst entschied er sich von 1972-1974 an der Theaterhochschule Leipzig im Fachbereich Schauspiel zu diplomieren. Engagements u.a. im Schauspielerensemble des Leipziger Theater oder dem Rostocker Theater sowie diverse Filmprojekte (bspw. Defa-Spielfilme, Serien "Polizeiruf oder "Die Wache") folgten. Parallel ließ er im Synchron- und Hörbuchbereich von sich hören. Seit Fühjahr 2006 ist er Vorstandsvorsitzender des Interessenverband der Synchronschauspieler (IVS).
Wie kam es zu der Gründung des IVS?
Über 100 Synchronschauspieler hatten sich am 21. Januar im Kinosaal der HFF-Potsdam versammelt und das Mandat für eine berufsständische Eigengründung eines Vereines / Verbandes ausgesprochen. Und das entgegen aller Warnungen und Unkenrufe wie: „Das klappt sowieso nicht, haben alles schon versucht" usw. ! Die Situation in unserem Land ist nun schon für normale Schauspieler, d. h. solche die spielen, drehen usw. nicht berauschend, für Synchronschauspieler erst recht nicht. Die gesellschaftliche Anerkennung sieht man fast in jedem Kinoabspann dokumentiert, bei Fernsehfilmen sowieso - wir sind einfach nicht vorhanden! Dazu kommt im Moment ein ganz aktuelles Problem: Unser sozialer Status und die damit ausgelösten sozialrechtlichen Versicherungs- und Abrechnungsprobleme mit den Firmen, bis hin zur Rentenberechnung. Wir sind Spielball der Deutschen Rentenversicherung, der Krankenkassen und der im Wettbewerb hart kämpfenden Synchronstudios, die sich in den letzten Jahren gegenseitig unterboten haben, um Aufträge zu erhalten und nun am Existenzlimit arbeiten.
Gab es einen konkreten Anlass der Gründung?
Die soziale Absicherung unserer Mitglieder ist seit dem 1.10.2005 nicht mehr gewährleistet. Verunsicherung schafften Rundschreiben zum Gesetz der Förderung der Selbständigkeit vom 5.7. und vom 30.9.2005, herausgegeben von der Deutschen Rentenversicherung (DVR). Für die Synchronfirmen war dies das Signal die Synchronschauspieler aus der sozialen Absicherung zu entlassen. Wir wurden zwangsweise durchgängig als „selbständig“ klassifiziert, obwohl rechtlich eine überwiegend abhängige Beschäftigung vorliegt. Eine Zusammenarbeit mit dem Ziel der künstlerisch wertvollen Synchronisation sollte mit den Firmen trotzdem möglich sein, so wie in der Vergangenheit praktiziert. Signale in Form eines gemeinsamen Briefes vom 6.7.2006 an die Rentenversicherer wurden gesetzt. In diesem Schreiben wird die Rechtssicherheit der Beurteilung von Synchronschauspielern und eine Reform der bisherigen sozialen Beurteilungskriterien eingefordert. Bezüglich der zukünftigen Preisgestaltung mit den Major-Companies und den TV-Sendern sitzen der Bundesverband der Synchronproduzenten (BVDSP) und der Interessenverband Synchronschauspieler (IVS) in einem Boot. Am 17.11.2006 lud die DRV Schauspieler und Firmenvertreter zu einer abschließenden Erörterung zur Konkretisierung der sozialrechtlichen Beurteilung von Synchronsprechern. In einem äußerst komplizierten 16 Fälle-Model wurde auf die weitere Verfahrensweise hingewiesen. Die meisten Firmen ziehen sich auf die Hauptbeurteilung „kurzfristig“ zurück.
Welche Konsequenzen hat das für euch?
Für die Synchronschauspieler bedeutet das eine teilweise tägliche Mehrversicherung mit Zahlung von Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung, die aber nicht in Anspruch genommen werden kann. Unser Geld wird gezwungenermaßen zum Fenster rausgeworfen. Eine notwendige 90 %-ig durchgängige Krankenversicherung in der zweite Hälfte der Lebensarbeitszeit ist nicht mehr gewährleistet. Somit entfällt der Anspruch auf Krankenpflichtversicherung im Rentenalter. Um dieser Situation nicht tatenlos gegenüber zu stehen, haben wir ein 3-Säulen-Modell zur sozialen Beurteilung entwickelt, welches im Gegensatz zum 16 – Fälle – Modell der DRV, eine einheitliche und durchgängige Versicherung des Einzelnen ermöglichte. Die jetzt und in Zukunft praktizierte Mischform der Versicherungsvarianten des Einzelnen sind unannehmbar und nicht wert Sozialversicherung genannt zu werden.
Ein weiterer Gründungsgrund ist doch sicherlich auch die Wiedererlangung der Anerkennung des Wertes euerer Arbeit, oder? Stichwort: Gagenanpassung.
Gagenerhöhungen und eine Angleichung an die Inflationsrate gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Immer häufiger werden Probesprechen, Reisekosten und Übernachtungen nicht mehr bezahlt. Für längere Serien etc. werden „ Rabatte“ erbeten und Probesprechen nur noch von einigen Firmen bezahlt. Bei Bezahlung der Arbeit an Dokumentationen, so genannten „Dokus“, setzt sich immer häufiger die Billiggagenvariante, die Zeitpauschale durch. Bei kleineren Rollen für Kino und TV ebenfalls. Ein unhaltbarer Gagenverfall als Ergebnis des gegenseitigen Unterbietens der Firmen bei Auftragsvergabe (Dumping). Der IVS versucht gemeinsam mit dem BVDSP diesem Wertverfall der Synchronarbeit entgegenzuwirken. Nicht ganz einfach, da dem BVDSP auch teilweise die „Schwarzen Schafe“ der Branche angehören. Erhebliche Zahlungsverzüge sind keine Seltenheit. Mittlerweile haben wir in diesem Punkt eine wirksame Rechtsbegleitung, die wir ebenfalls in Fragen des Urheberrechtes aktiviert haben. Erste Schritte sind vom jungen Verband also getan.
Gab es schon einmal einen Versuch eines Verbandes, eines Vereins oder einer Interessengemeinschaft zu gründen?
Ja. In den sechziger / siebziger Jahren, zusammen mit der Gewerkschaft. Die Interessenbündelung ist gescheitert. Der Arbeitskampf, damals ging es ausschließlich um Gagen. Soviel ich weiß, wurde von den Firmen mit Arbeitsausschluss reagiert. Konstruktives hatte keinen Platz. Diese Situation könnte Axel Lutter, erfahrener Synchronschauspieler und führend bei der damaligen Interessenbündelung, genauer beantworten. Seine Zusammenarbeit mit der SPD trug damals leider keine Früchte.
Warum habt ihr euch nicht einem anderen artverwandten Verband oder Gewerkschaft zu angeschlossen?
Wir haben einen eigenen Verband gegründet, da wir mit unseren speziellen berufsständischen Synchronproblemen nicht in andere Verbände reinpassten und dort nur Randgruppe wären. Eine gewerkschaftliche Zuordnung schied aus, da die Hamburger mit „Sprint“ und trotz Anwaltsbegleitung auf der Stelle traten. Verdi in Berlin hat uns vor unserer Gründung sehr unterstützt. Ganz vorne weg Katja Karger und ihre Mitstreiter. Wir stehen immer noch in Verbindung. Auch mit anderen Schauspieler- und Sprecherverbänden stehen wir in Kontakt und haben einen Dachverband im Hinterkopf.
Peter Reinhardt stand bereits vor dem Abitur auf diversen Laienbühnen. Nach dem Wehrdienst entschied er sich von 1972-1974 an der Theaterhochschule Leipzig im Fachbereich Schauspiel zu diplomieren. Engagements u.a. im Schauspielerensemble des Leipziger Theater oder dem Rostocker Theater sowie diverse Filmprojekte (bspw. Defa-Spielfilme, Serien "Polizeiruf oder "Die Wache") folgten. Parallel ließ er im Synchron- und Hörbuchbereich von sich hören. Seit Fühjahr 2006 ist er Vorstandsvorsitzender des Interessenverband der Synchronschauspieler (IVS).
Wie kam es zu der Gründung des IVS?
Über 100 Synchronschauspieler hatten sich am 21. Januar im Kinosaal der HFF-Potsdam versammelt und das Mandat für eine berufsständische Eigengründung eines Vereines / Verbandes ausgesprochen. Und das entgegen aller Warnungen und Unkenrufe wie: „Das klappt sowieso nicht, haben alles schon versucht" usw. ! Die Situation in unserem Land ist nun schon für normale Schauspieler, d. h. solche die spielen, drehen usw. nicht berauschend, für Synchronschauspieler erst recht nicht. Die gesellschaftliche Anerkennung sieht man fast in jedem Kinoabspann dokumentiert, bei Fernsehfilmen sowieso - wir sind einfach nicht vorhanden! Dazu kommt im Moment ein ganz aktuelles Problem: Unser sozialer Status und die damit ausgelösten sozialrechtlichen Versicherungs- und Abrechnungsprobleme mit den Firmen, bis hin zur Rentenberechnung. Wir sind Spielball der Deutschen Rentenversicherung, der Krankenkassen und der im Wettbewerb hart kämpfenden Synchronstudios, die sich in den letzten Jahren gegenseitig unterboten haben, um Aufträge zu erhalten und nun am Existenzlimit arbeiten.
Gab es einen konkreten Anlass der Gründung?
Die soziale Absicherung unserer Mitglieder ist seit dem 1.10.2005 nicht mehr gewährleistet. Verunsicherung schafften Rundschreiben zum Gesetz der Förderung der Selbständigkeit vom 5.7. und vom 30.9.2005, herausgegeben von der Deutschen Rentenversicherung (DVR). Für die Synchronfirmen war dies das Signal die Synchronschauspieler aus der sozialen Absicherung zu entlassen. Wir wurden zwangsweise durchgängig als „selbständig“ klassifiziert, obwohl rechtlich eine überwiegend abhängige Beschäftigung vorliegt. Eine Zusammenarbeit mit dem Ziel der künstlerisch wertvollen Synchronisation sollte mit den Firmen trotzdem möglich sein, so wie in der Vergangenheit praktiziert. Signale in Form eines gemeinsamen Briefes vom 6.7.2006 an die Rentenversicherer wurden gesetzt. In diesem Schreiben wird die Rechtssicherheit der Beurteilung von Synchronschauspielern und eine Reform der bisherigen sozialen Beurteilungskriterien eingefordert. Bezüglich der zukünftigen Preisgestaltung mit den Major-Companies und den TV-Sendern sitzen der Bundesverband der Synchronproduzenten (BVDSP) und der Interessenverband Synchronschauspieler (IVS) in einem Boot. Am 17.11.2006 lud die DRV Schauspieler und Firmenvertreter zu einer abschließenden Erörterung zur Konkretisierung der sozialrechtlichen Beurteilung von Synchronsprechern. In einem äußerst komplizierten 16 Fälle-Model wurde auf die weitere Verfahrensweise hingewiesen. Die meisten Firmen ziehen sich auf die Hauptbeurteilung „kurzfristig“ zurück.
Welche Konsequenzen hat das für euch?
Für die Synchronschauspieler bedeutet das eine teilweise tägliche Mehrversicherung mit Zahlung von Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung, die aber nicht in Anspruch genommen werden kann. Unser Geld wird gezwungenermaßen zum Fenster rausgeworfen. Eine notwendige 90 %-ig durchgängige Krankenversicherung in der zweite Hälfte der Lebensarbeitszeit ist nicht mehr gewährleistet. Somit entfällt der Anspruch auf Krankenpflichtversicherung im Rentenalter. Um dieser Situation nicht tatenlos gegenüber zu stehen, haben wir ein 3-Säulen-Modell zur sozialen Beurteilung entwickelt, welches im Gegensatz zum 16 – Fälle – Modell der DRV, eine einheitliche und durchgängige Versicherung des Einzelnen ermöglichte. Die jetzt und in Zukunft praktizierte Mischform der Versicherungsvarianten des Einzelnen sind unannehmbar und nicht wert Sozialversicherung genannt zu werden.
Ein weiterer Gründungsgrund ist doch sicherlich auch die Wiedererlangung der Anerkennung des Wertes euerer Arbeit, oder? Stichwort: Gagenanpassung.
Gagenerhöhungen und eine Angleichung an die Inflationsrate gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Immer häufiger werden Probesprechen, Reisekosten und Übernachtungen nicht mehr bezahlt. Für längere Serien etc. werden „ Rabatte“ erbeten und Probesprechen nur noch von einigen Firmen bezahlt. Bei Bezahlung der Arbeit an Dokumentationen, so genannten „Dokus“, setzt sich immer häufiger die Billiggagenvariante, die Zeitpauschale durch. Bei kleineren Rollen für Kino und TV ebenfalls. Ein unhaltbarer Gagenverfall als Ergebnis des gegenseitigen Unterbietens der Firmen bei Auftragsvergabe (Dumping). Der IVS versucht gemeinsam mit dem BVDSP diesem Wertverfall der Synchronarbeit entgegenzuwirken. Nicht ganz einfach, da dem BVDSP auch teilweise die „Schwarzen Schafe“ der Branche angehören. Erhebliche Zahlungsverzüge sind keine Seltenheit. Mittlerweile haben wir in diesem Punkt eine wirksame Rechtsbegleitung, die wir ebenfalls in Fragen des Urheberrechtes aktiviert haben. Erste Schritte sind vom jungen Verband also getan.
Gab es schon einmal einen Versuch eines Verbandes, eines Vereins oder einer Interessengemeinschaft zu gründen?
Ja. In den sechziger / siebziger Jahren, zusammen mit der Gewerkschaft. Die Interessenbündelung ist gescheitert. Der Arbeitskampf, damals ging es ausschließlich um Gagen. Soviel ich weiß, wurde von den Firmen mit Arbeitsausschluss reagiert. Konstruktives hatte keinen Platz. Diese Situation könnte Axel Lutter, erfahrener Synchronschauspieler und führend bei der damaligen Interessenbündelung, genauer beantworten. Seine Zusammenarbeit mit der SPD trug damals leider keine Früchte.
Warum habt ihr euch nicht einem anderen artverwandten Verband oder Gewerkschaft zu angeschlossen?
Wir haben einen eigenen Verband gegründet, da wir mit unseren speziellen berufsständischen Synchronproblemen nicht in andere Verbände reinpassten und dort nur Randgruppe wären. Eine gewerkschaftliche Zuordnung schied aus, da die Hamburger mit „Sprint“ und trotz Anwaltsbegleitung auf der Stelle traten. Verdi in Berlin hat uns vor unserer Gründung sehr unterstützt. Ganz vorne weg Katja Karger und ihre Mitstreiter. Wir stehen immer noch in Verbindung. Auch mit anderen Schauspieler- und Sprecherverbänden stehen wir in Kontakt und haben einen Dachverband im Hinterkopf.
Was sind die kurzfristigen Ziele des IVS?
Erhalt der Arbeitgeberanteile zur sozialen Sicherheit der Synchronschauspieler, als "Unständige", KSK-Mitglieder und Selbständige. Hier denke ich an Alleinstehende mit Kindern und Kollegen mit hohen Betriebskostenaufwendungen. Die Zusammenarbeit mit der DRV, um eine Reform der sozialrechtlichen Beurteilungskriterien der Synchronschauspieler zu erwirken. Es gibt Beurteilungskriterien die entstammen dem Jahr 1924 (Kurzfristigkeit der Schauerleute und Kopfschlachter im Hamburger Hafen). Das ist in unserer modernen Medienlandschaft absurd, zeigt aber die muffige „Sammelwut“ Deutscher Gesetzgeber. Es muss unbedingt verschlankt und modernisiert werden – wie eigentlich überall in Deutschland.
Was sind die langfristigen Ziele?
Erlangung der Rechte an der Weiterverwertung unseres gesprochen Wortes.
Das heißt auch: Wiederholungshonorare etc. Generelle Abtretungen der Rechte bis in alle Ewigkeit und auf noch zu erfindende Medien und Datenträger sind sittenwidrig und müssen unterbunden werden. Schaffung eines Dachverbandes, mit sich gründenden und schon bestehenden Vereinen und Verbänden mit ähnlich sozialrechtlich betroffenen Mitgliedern.
Welche Hürden galt / gilt es zu nehmen?
Eine Hürde ist das Chaos in der versicherungsrechtlichen Beurteilung der Synchronschauspieler bei der Deutschen Rentenversicherung, den Synchronfirmen und der KSK, da weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut. Informationsmangel und ungenügendes Grundlagenwissen über die sozialrechtliche Basis unserer Arbeit ist neben der völligen Unkenntnis unserer Arbeitspraxis die Ursache für Fehl- und Nichtinformation durch die DRV. Die Hürden sind nicht die Schwierigkeit, es ist der unwillige Amtschimmel, der über sie nicht hinweg will. Oder nicht kann?
Weiterhin sind Gagenanpassung und Urheberrechtsfragen zu klären.
Wer kann Mitglied bei euch werden?
Alle Kollegen die vorwiegend als Synchronschauspieler tätig sind. Wir, als Interessenverband, sind noch jung. An eine eventuelle Erweiterung ist gedacht. Die gemeinsame Arbeit mit anderen Verbänden / Vereinen in einem Dachverband wäre allerdings insofern sinnvoll, da die speziellen Arbeitsgebiete spezielle Interessenvertretungen brauchen. Das könnte auch EU – weit funktionieren. Aber bleiben wir auf dem Teppich. Zunächst würden wir uns freuen noch mehr Kollegen aus Hamburg, Köln und München begrüßen zu können. Synchronregisseure sind auch schon dabei. Tonmeister und Cutter sind eingeladen. Ihnen fehlt noch der Mut. In der ganzen Branche schwingt die Zaghaftigkeit, die Angst mit.
Wie viele Mitglieder habt Ihr?
Im Augenblick über 180. Wir befinden uns in der Wachstumsphase.
Wie viele Synchronschauspieler gibt es im deutschsprachigen Raum / Deutschland?
Schätzungsweise tausend! Davon sind kühn behauptet: ca. 20 % ausschließlich als Synchronschauspieler tätig, wobei schätzungsweise weitere 50 % auch als Schauspieler an Bühnen tätig sind. In anderen Bereichen tummeln sich, ganz salopp gesagt, die restlichen herum. Der Schauspieler hat einen bestechend großen und dementsprechend auch interessanten Wirkungskreis. Die Art der Beschäftigung unterliegt somit ständigen Veränderungen. Theater- und Filmarbeit wechseln häufig und gestalten das Arbeitsumfeld glücklicherweise sehr vielfältig. Eben das birgt aber die schwierige Sozialversicherungslage in sich. Die alten starren bürokratischen Gesetzesauslegungen der DRV- früher BfA - sind den modernen, schnell wechselnden Arbeitsverhältnissen in der Praxis nicht gewachsen. Dieses Missverhältnis, unter dem die ganze Branche leidet, schreit nach Reformen.
Gab es interne / externe Diskussionen um den Begriff „Synchronschauspieler“?
Nein. Es ist die verständlichste Formulierung, die unserer Arbeit Rechnung trägt, was sich in den vergangenen Kollegenversammlungen zeigte. Bei der Deutschen Rentenversicherung, dem Ministerium für Arbeit und Soziales folgt man unserem Terminus. In einer Kleinen Anfrage im Bundestag (Frau Göring-Eckardt) zu unserer Situation, wurde der Begriff verwendet. Auch der Kulturstaatsminister Neumann hat den „Synchronschauspieler“ akzeptiert. Allerdings eher verbal, als mit all seinen Sozialversicherungsnöten. Der „Synchronsprecher “ wurde vom „Synchronschauspieler“ problemlos abgelöst.
Gibt es Sprecher und speziell auch Synchronschauspieler Agenturen und Datenbanken?
Ja, gibt es! Bzgl. der Agenturen sind sie hinsichtlich der Qualität ihrer Arbeit jedoch sehr unterschiedlich. Der Schauspieler will, auch beim Sprechen, „spielen“ und nicht an Verwaltung denken müssen. Das ist die Natur des Berufes. Andere übernehmen die Büroarbeit und verlangen dafür eben Knete. Manchmal ist das „ Abzocke“, manchmal seriöse Vermittlung. Im Internet findet man auch eine Menge Agenturen für Sprecher, oder Sprecheragenturen. Da heißen sie witzig „Stimmgerecht“, oder phantasievoll
„Voice...“ usw. Sie als „Sprechblasen“ zu bezeichnen, wäre in den überwiegenden Fällen ungerecht. Die Datenbanken liegen bei den Agenturen. Eine neutrale „Sammelstelle“, die jeder beliebig und aus Neugier anzapfen kann, gibt es nicht.
Wie gestaltet sich eure Pressarbeit?
Die Presseabteilung unter der Schirmherrschaft von Nico Böll hat im Kern zwei wesentliche Aufgabenbereiche: Wir arbeiten nach INNEN, informieren die Mitglieder, veröffentlichen monatlich mindestens einen Newsletter und kümmern uns auch um die Internetseite. Und wir arbeiten nach AUßEN, stellen Kontakte zu Pressevertretern her bzw. wollen bestehende Kontakte vertiefen, um mehr öffentliche Aufmerksamkeit für unsere Anliegen zu erreichen. Lassen Sie mich bitte an dieser Stelle allen Mitstreitern danken, die den Verband im Inneren und von außen „angeschoben“ und unterstützt haben.
Frau Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90 / Grüne) hat unser Anliegen einer kleinen Anfrage dem Bundestag vorgelegt. Rechtsanwalt Herr Müller-Güldemeister hat die Gründung unkompliziert rechtlich begleitet.
Ein Dankeschön auch an Sie!
Über den Interessenverband der Synchronschauspieler (IVS)
Gegründet wurde der IVS am 1.3.2006 und das wurde in einer ersten außerordentlichen Mitliederversammlung am 1.4.2006 den zukünftigen Mitgliedern mitgeteilt. Vorstandsvorsitzender ist Peter Reinhardt, der uns im folgenden Interview Rede und Antwort steht. Stellvertretender Vorsitzender: Engelbert von Nordhausen, Schatzmeister: Andreas Müller. Weitere Gründungsmitglieder waren neben Peter Reinhardt und Engelbert von Nordhausen: Heide Domanowski, Roland Hemmo, Nicolas Böll, Walther Alich, Florian Krüger-Shantin, Uwe Jellinek und Andreas Müller.
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