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Ruth Hirschfeld: Ich habe oft gegen das naheliegende Bild besetzt.

12.04.2026 | Tina Thiele

Als Pionierin hat sie das Casting in der Schweiz maßgeblich geprägt und eine ganze Branche mit aufgebaut. Früh geprägt durch die Welt des Theaters, entschied sie sich zunächst bewusst gegen den Weg ihres Vaters, dem ehemaligen Direktor des Zürcher Schauspielhauses. Doch ihre Leidenschaft für Film und Besetzung setzte sich durch: 1991 wurde sie zur ersten professionellen „Film Casterin der Schweiz“. Im Gespräch erzählt die Schweizer Casting Pionierin, warum es die „richtige Besetzung“ für sie nicht gibt, weshalb sie bewusst gegen Erwartungen arbeitet – und wie persönlich der Film über ihren Vater für sie geworden ist.

Du hast einen Film über deinen Vater gemacht: „Hirschfeld - Unbekannter Bekannter“. Was hat Dich persönlich am meisten an diesem Projekt bewegt? 
Mit zwölf verlor ich meinen Vater. An diesem Projekt hat mich am meisten bewegt, dass ich ihm noch einmal so nah sein konnte und ihn besser verstehen durfte. Die Zeit, die wir nicht gemeinsam hatten, konnte ich so auf besondere Weise nacherleben.

War es schwieriger, diesen Film als Tochter oder als Filmschaffende umzusetzen? 
Samir und Stina kenne ich schon sehr lange, noch aus meiner Zeit als Casterin. Die Erfahrung, diesmal selbst vor der Kamera zu stehen, war für mich komplett neu. Anfangs tat ich mich schwer, doch Stina hat so professionell und einfühlsam mit mir gearbeitet, dass ich mich bestens aufgehoben fühlte. In diesem Film habe ich nicht als Filmschaffende agiert, sondern als Tochter. Wenn man eine persönliche emotionale Verbindung hat, wird es dadurch noch einmal herausfordernder.

Gab es Momente im Prozess, die Deinen Blick auf deinen Vater verändert haben? 
Ja, die gab es. Dabei wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, wie einsam er war – nicht nur als Kunstschaffender, sondern auch als Mensch.

© Joel Hunn

Er hatte keine Heimat, weil er keine Wahl hatte: Verfolgt von den Nazis, entwurzelt und gezwungen, sein Leben immer wieder neu zu ordnen. Diese erzwungene Heimatlosigkeit und die Einsamkeit, die daraus entstanden ist, haben mich zutiefst berührt.

Szene aus „Hirschfeld - Unbekannter Bekannter“
Szene aus „Hirschfeld - Unbekannter Bekannter“ © Dschoint Ventschr Filmproduktion AG
Szene aus „Hirschfeld - Unbekannter Bekannter“
Szene aus „Hirschfeld - Unbekannter Bekannter“ © Dschoint Ventschr Filmproduktion AG
Szene aus „Hirschfeld - Unbekannter Bekannter“
Szene aus „Hirschfeld - Unbekannter Bekannter“ © Dschoint Ventschr Filmproduktion AG

Du hast den Beruf des Castings in der Schweiz mitgeprägt- was hat sich seit Deinen Anfängen am stärksten verändert? 
1992 gab es in Deutschland gerade einmal drei Casterinnen – in der Schweiz noch keine. Es existierte weder eine Vereinigung noch eine Struktur. Ich habe damals in Amerika gesehen, was Caster machen, und dieses Konzept dann in die Schweiz gebracht. Später kamen dann auch meine Kolleginnen Corinna Glaus und Susan Müller dazu.

Angefangen habe ich mit zwei Ordner, mit rund 300 Schauspieler*innen. Mit der Zeit wurden daraus ganze Regale voller Ordner. Selbst Showreels haben mir die Schauspieler:innen damals noch auf Band per Post geschickt. Kurz gesagt: damals lief alles noch analog- keine Schauspielplattformen, Instagram, oder Ähnliches. Angefangen habe ich mit etwa 300 bis 400 Schauspieler*innen. Heute ist diese Zahl um ein Vielfaches gewachsen – und genau das zeigt, wie sehr sich die Branche entwickelt hat.

Wie hat sich Dein Blick auf „die richtige Besetzung“ im Laufe der Jahre entwickelt?
Ich weiss nicht, ob es überhaupt „die richtige Besetzung“ gibt, weil unsere Arbeit viel komplexer ist. Es geht nicht nur darum, die besten Schauspieler:innen für die Rollen zu finden, sondern vor allem auch darum, die richtigen Kunstschaffenden zusammenzubringen. Ich nenne das auch die unsichtbare Arbeit.

Gibt es eine Entscheidung, bei der Du bewusst gegen alle Erwartungen besetzt hast – und die sich besonders ausgezahlt hat?
Die Menschen, die mit mir gearbeitet haben, wissen, dass ich immer so gearbeitet habe. Für mich war es wichtig – und ich hoffe, dass sich das auch bemerkbar gemacht hat –, bewusst gegen Klischees vorzugehen. Ich wollte den Horizont erweitern und Schauspieler*innen ins Spiel bringen, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht besetzt hätte.

Du sprichst offen über deine Erfahrungen in einer Männerdomäne – was hat sich seit #MeToo wirklich verbessert, und wo siehst du noch Baustellen?
Heute gibt es deutlich mehr Frauen in verantwortungsvollen und höheren Positionen als zu meiner Zeit – das finde ich grossartig. Diese Entwicklung ist unglaublich wichtig. Gleichzeitig sind wir aber meines Erachtens noch nicht dort, wo wir sein sollten. Es gibt nach wie vor Hierarchien, und es kann immer noch passieren, dass man Konsequenzen spürt, wenn man sich wehrt. Umso wichtiger ist es nach wie vor aufzustehen, die eigene Stimme zu erheben, und mutig zu sein.

Szene aus „Die göttliche Ordnung“
Szene aus „Die göttliche Ordnung“ © Zodiac Pictures
Szene aus „Der Goalie bin ig“
Szene aus „Der Goalie bin ig“ © C-FILMS AG

Wie können Casting Directors heute konkret zu mehr Fairness und Sicherheit am Set beitragen?
Ich kann nur sagen, wie ich damals gearbeitet habe: Ich bin immer ans Set gegangen und habe geschaut, dass es den Spieler*innen gut geht. Das war für mich ein wichtiger Teil meiner Aufgabe. Oder ich habe sie angerufen und nachgefragt, ob alles in Ordnung ist.

Hast Du das Gefühl, das sich Machtstrukturen nachhaltig verändert haben - oder eher oberflächlich? 
Es hat sich zum Glück bereits vieles verbessert. Wichtig ist jedoch, dass diese Fortschritte nachhaltig sind. Gleichzeitig besteht weiterhin Handlungsbedarf. Deshalb ist es entscheidend, dran zu bleiben, in welcher Form auch immer – denn Entwicklungen können sich leider auch wieder rückläufig entwickeln.

Du hast einmal gesagt, dass Du „gegen das nahliegende Bild“ besetzt- was reizt Dich an diesem Perspektivwechsel? 
Ein Punkt, der mir sehr wichtig ist: Es sollten nicht immer die gleichen Schauspieler*innen besetzt werden. Es gibt immer wieder Hypes um bestimmte Personen – davon war ich noch nie ein Fan. Wir haben so viele großartige Spieler*innen, viele von ihnen haben eine unglaubliche Bandbreite, die oft unterschätzt wird.

Was macht für Dich heute wirklich starke schauspielerische Präsenz aus? 
Für mich ist die schauspielerische Durchlässigkeit und dass sie im Spiel wirklich mit ihrem Gegenüber agieren viel wichtiger.

Welchen Rat würdest Du jungen Menschen geben, die ins Casting oder in die Filmbranche wollen? 
Auch wenn sich vieles verändert hat, eines bleibt: Die Unsicherheit. Ich empfehle jungen Menschen, sich ein zweites Standbein aufzubauen – für die ruhigen, schwierigen Zeiten. Kunstschaffende müssen nicht nur Erfolg erleben, sondern auch die Stille und Unsicherheit aushalten. Das wird oft vergessen.

Gleichzeitig sage ich: Wenn du wirklich brennst und es willst, dann geh diesen Weg. Es ist einer der schönsten Berufe überhaupt.

Danke für das Gespräch.

Szene aus „Fascht e Familie“
Szene aus „Fascht e Familie“ © SRF
Szene aus „Der Bestatter“
Szene aus „Der Bestatter“ © SRF
Homepage Swiss Casting Trailer „Hirschfeld - Unbekannter Bekannter“

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