Mach mit bei der Studie: Wie erleben Schauspielerinnen Mutterschaft im Beruf?
| Tina Thiele
Die Schauspielerin und Soziologin Lea Kirn hat gemeinsam mit der Universität Hamburg eine Studie ins Leben gerufen, die sich mit der Vereinbarkeit von Mutterschaft und Schauspielberuf beschäftigt. Ein Thema, das viele betrifft und über das dennoch viel zu selten gesprochen wird. Ziel der Studie ist es, Schauspielerinnen eine Stimme zu geben und Herausforderungen sichtbar zu machen, die oft im Verborgenen bleiben.
Teilnehmerinnen gesucht
Für die Studie werden gezielt Schauspielerinnen mit Kind(ern) gesucht, die an öffentlich subventionierten Theatern arbeiten oder während ihrer Elternschaft dort gearbeitet haben und bereit sind, ihre Erfahrungen in einem Interview zu teilen. Die Interviews können bis Ende Juni geführt werden. Die Anmeldung erfolgt via E-Mail an Lea Kirn.
Über das Gesicht hinter der Studie
Die Idee zur Studie entstand aus Lea Kirns eigenen Berufserfahrungen und der Beobachtung, dass Mutterschaft im Schauspielberuf häufig mit sichtbaren als auch unsichtbaren Hürden verbunden ist. Mit ihrer Forschung möchte sie dazu beitragen, diese Realität in den Fokus zu rücken und langfristig Veränderungen in der Branche anzustoßen.
Wie entstand die Idee neben der Schauspielerei noch ein Studium anzufangen?
Ich komme aus einem Handwerker-Haushalt, und das Leben als darstellende Künstlerin war (und ist) großartig – aber in meinem Kopf eben auch immer unvereinbar gewesen mit Familie und Sozialleben so wie ich es kannte. Gleichzeitig hatte ich sehr ehrliche Schauspieldozent*innen, die uns allen rieten ein zweites Standbein aufzubauen. Auch kam ich mit dieser unglaublichen Abhängigkeit und den Hierarchien in diesem Beruf nicht immer gut zurecht.
© Thomas Leidig
Da ich direkt nach Schule meine Doppelausbildung Schauspiel/Musical absolviert hatte, war in meiner Vorstellung darum schon sehr früh etabliert, dass ich den darstellerischen Beruf so zehn Jahre ausübe, bis ich etwa Anfang 30 bin. Dann war der Plan komplett umzuschwenken, um mehr Selbstbestimmung in meinem Leben zu haben. Jetzt hat sich allerdings herausgestellt, dass ich die Bühne SO sehr liebe, dass ich das nicht möchte; deshalb habe ich, als während Corona alle Engagements abgesagt oder auf Eis gelegt wurden, die Gelegenheit ergriffen und die Zeit direkt genutzt, um mit einem Studium anzufangen. Das soll mir ermöglichen, in Zukunft beides miteinander zu verbinden und das beste beider Welten in meinem Leben zu halten.
Wie entstand konkret die Idee zu der Studie?
In meiner Bachelorarbeit wollte ich mich unbedingt mit Familie, Vereinbarkeit und Theater auseinandersetzen. Das habe ich gemacht, und diese Bachelorarbeit ist quasi das Fundament geworden, auf dem wir die jetzige Studie aufbauen. Denn für eine BA sind die zeitlichen Ressourcen leider sehr begrenzt und es geht darum, das sozialwissenschaftliche Handwerk gekonnt anzuwenden. In der nun aufgesetzten Studie in Zusammenarbeit mit der Wirtschafts- und Organisationssoziologie Hamburg bin ich nicht mehr allein, wir haben mehr Zeit, mehr Ressourcen, und es steht nicht die Anwendung des Handwerks im Zentrum (die ist jetzt vorausgesetzt), sondern die späteren Ergebnisse und deren Rückspielung in die Schauspielbranche.
Sind auch männliche Paare mit Kind eingeladen, an der Studie teilzunehmen, oder richtet sie sich ausschließlich an Schauspielerinnen?
Diese Studie richtet sich ausschließlich an Schauspielerinnen mit Kindern; ob mit Partner, Partnerin, alleinerziehend oder irgendetwas anderes ist egal. Dieser Fokus wurde gesetzt, da Frauen* im festengagierten, öffentlich subventionierten Theaterbetrieb eben doch immer noch vor anderen Herausforderungen stehen als ihre männlichen Kollegen. Das ergibt sich einerseits durch theaterinterne Themen (Gender Pay Gap, überwiegend männliche Leitungen/Regien, etc.), welche sich zwar in Veränderung befinden, aber immer noch wirken. Andererseits aus gesamtgesellschaftlichen Prägungen wie Gender Care Gap oder zu wenig Betreuungsmöglichkeiten. Das soll die Schwierigkeiten, vor welchen auch Schauspieler beim Thema Vereinbarkeit/Beruf stehen, nicht kleinreden. Dennoch müssen wir anerkennen, dass es vor allem Frauen* sind, welche im Zuge ihrer Mutterschaft ein Festengagement verlassen (müssen). Und hier genauer zu untersuchen und sichtbar zu machen, warum das so ist, ist unser Ziel.
Anmeldungen und Fragen zur Umfrage bitte an: lea.kirn@uni-hamburg.de