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Looking Glass: Von Anekdoten zu Evidenz – ein Gastbeitrag von John Keogh

19.05.2026 | John Kegoh

Mit dem Gastbeitrag „Looking Glass“ von Schauspieler und zertifizierter Vertrauensperson John Kegoh startet unsere neue Kolumne „Perspektivwechsel“. Einmal im Monat geben darin Vertrauenspersonen (VPs), Institutionen oder Diversity-Beauftragte Einblicke in ihre Arbeit, Perspektiven und Herausforderungen innerhalb der Branche. Ausgangspunkt von „Looking Glass“ ist eine aktuelle Studie aus Großbritannien und die zentrale Frage: „Wir glauben, die Welt zu sehen, wie sie ist – dabei schauen wir meist nur in einen Spiegel.“

© Film TV & Charity

Wie viel Veränderung braucht unsere Branche hierzulande?

Es heißt oft, Film könne der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Darum soll es hier nicht gehen. Vielmehr geht es um Sie, um mich und um all die Kolleg*innen, die diesen Spiegel halten. Es geht darum, was unter den Menschen in unserer Branche geschieht, die den Spiegel halten – den Menschen, die Film und Fernsehen überhaupt erst möglich machen.

Eine Vertrauensperson arbeitet genau dort. Sie kann einen vertraulichen Raum anbieten, zuhören, helfen, Handlungsoptionen zu klären und, wo sinnvoll, an weitere Unterstützung verweisen. Im Idealfall trägt diese Arbeit zu einem sichereren, gesünderen und respektvolleren Arbeitsumfeld bei. In einer konkreten Situation kann das enorm wichtig sein.

Doch individuelle Unterstützung wirft zugleich eine größere Frage auf: Woher wissen wir, ob die Strukturen, die wir aufbauen, tatsächlich die entscheidenden Belastungspunkte unserer Branche erreichen?

Diese Frage stelle ich nicht aus moralischer Distanz. Ich bin selbst Teil dieser Branche. Ich weiß, wie viel Hingabe, Loyalität und emotionale Energie Menschen in ihre Arbeit einbringen. Ich weiß aber auch, dass viele Schwierigkeiten nicht allein durch „schlechte Einzelpersonen“ verursacht werden, sondern durch Strukturen: Unsicherheit, Hierarchien, Zeitdruck, lange Arbeitszeiten, unklare Verantwortlichkeiten, Angst vor Reputationsschäden und das anhaltende Gefühl, dass der nächste Job davon abhängen könnte, nicht als „schwierig“ zu gelten.

Ein Blick auf die Realität in UK

Deshalb interessiere ich mich zunehmend für die Arbeit der britischen Film and TV Charity und insbesondere für ihre regelmäßig durchgeführte Looking Glass Survey.

Die Film and TV Charity unterstützt Menschen, die hinter den Kulissen von Film, Fernsehen und Kino arbeiten. Zu ihrer Arbeit gehören individuelle Unterstützungsangebote, Beratung, Vermittlung zu therapeutischer Unterstützung, Tools für Produktionen sowie Forschung zu den Bedingungen, die psychische Gesundheit in der Branche beeinflussen. Aus deutschsprachiger Perspektive ist besonders interessant, dass die Organisation nicht nur auf individuelle Notlagen reagiert, sondern auch Daten über die Arbeitsbedingungen sammelt, die zu diesen Notlagen beitragen können.

Die Looking Glass Survey ist eines der deutlichsten Beispiele dafür. Erstmals 2019 durchgeführt und 2021, 2022 und 2024 wiederholt, ist sie zu einer Art Barometer für psychische Gesundheit in der britischen Film- und Fernsehbranche geworden. An der Umfrage 2024 nahmen 4.376 Menschen teil, die in Film, Fernsehen und Kino arbeiten.

Die Umfrage untersucht psychische Gesundheit nicht als rein private Angelegenheit, sondern im Zusammenhang mit der Realität der Arbeit: Beschäftigungsunsicherheit, finanzieller Druck, lange Arbeitszeiten, Arbeitskultur, Mobbing, Diskriminierung, Meldestrukturen und die Fähigkeit von Führungskräften und Produktionen, Wohlbefinden zu unterstützen.

Dabei arbeitet sie mit einem hilfreichen Rahmen: Conditions, Culture and Capability – also Bedingungen, Kultur und Befähigung. Gemeint sind die materielle Realität der Arbeit, die Kultur des Umgangs miteinander und die Frage, ob Arbeitsplätze und Führungskräfte tatsächlich über die Fähigkeiten, die Zeit und die Strukturen verfügen, um Menschen angemessen zu unterstützen.

Dieser Rahmen ist wichtig, weil er psychische Gesundheit nicht auf individuelle Widerstandskraft reduziert. Er stellt eine unbequemere und zugleich nützlichere Frage: Welche Art von Arbeitsumfeld verlangen wir Menschen eigentlich ab?

Die Ergebnisse der Looking Glass Survey 2024 sind ernüchternd. Dem Bericht zufolge beschrieben

  • 35 Prozent der Befragten ihre psychische Gesundheit als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ — ein Anstieg gegenüber 24 Prozent im Jahr 2022.

  • 30 Prozent fühlten sich häufig einsam.

  • Nur 12 Prozent empfanden die Branche als einen psychisch gesunden Arbeitsplatz.

  • 63 Prozent gaben an, dass ihre Arbeit in der Branche negative Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit habe

  • 64 Prozent hatten in den vorherigen zwölf Monaten erwogen, die Branche aus Sorge um ihre psychische Gesundheit zu verlassen.

Am beunruhigendsten aber ist vielleicht:

  • 30 Prozent gaben an, in den vorherigen zwölf Monaten Gedanken daran gehabt zu haben, sich das Leben zu nehmen.

Der Bericht vergleicht dies mit einem nationalen Durchschnitt von 5 Prozent unter Erwachsenen in England, basierend auf der Adult Psychiatric Morbidity Survey von NHS (National Health Service) Digital.

Eine solche Zahl muss sorgfältig behandelt werden, nicht sensationell. Aber sie nicht zu erwähnen, wäre ebenfalls unverantwortlich. Sie zeigt, dass es sich nicht um ein Randthema handelt und nicht nur um vereinzelte Anekdoten, sondern um ernsthafte Belastungen innerhalb einer ganzen Berufsgruppe.

Der Wert von Looking Glass liegt nicht nur darin, dass die Umfrage alarmierende Zahlen präsentiert. Ihr größerer Wert liegt darin, dass sie Anekdoten in Evidenz verwandelt. Sie gibt der Branche eine gemeinsame faktische Grundlage, macht Entwicklungen über Zeit sichtbar, identifiziert Gruppen mit erhöhtem Risiko und erlaubt die Frage, ob Interventionen tatsächlich etwas bewirken.

An dieser Stelle könnte die deutschsprachige Film- und Fernsehbranche etwas Wichtiges lernen.

Und wo stehen wir in Deutschland?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz fangen wir nicht bei null an. In Deutschland ist der im November 2024 unterzeichnete Respect Code Film ein wichtiger Schritt. Sein Ziel ist es, professionelle, respektvolle, angstfreie und gesunde Arbeitsumfelder in Film- und Fernsehproduktionen zu unterstützen. Er verweist auf sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, respektvolle Kommunikation trotz Set-Hierarchien und die Notwendigkeit klarer Verantwortlichkeiten und Verfahren.

Der Respect Code Film nennt außerdem praktische Präventionsmaßnahmen: Schulungen für Vorgesetzte, Feedbacksysteme, die Ernennung von Vertrauenspersonen, transparente Zuständigkeiten, vertrauliche Beratungsstrukturen sowie Beschwerde- oder Meldestellen.

Die Rolle von Vertrauenspersonen

Auch die Rolle von Vertrauenspersonen wird sichtbarer: Sie bieten einen vertraulichen, geschützten Raum, helfen Betroffenen, ihre Optionen zu verstehen, geben Orientierung in Konfliktsituationen und verweisen bei Bedarf an offizielle Stellen. Gleichzeitig ist eine Vertrauensperson nicht dasselbe wie eine formale Beschwerdestelle.

Hinzu kommen rechtliche Rahmenbedingungen, vor allem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das Benachteiligungen unter anderem aufgrund rassistischer Zuschreibungen oder ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern oder beseitigen soll.

All das ist wichtig. Es sind keine kleinen Entwicklungen. Sie sind Teil einer wachsenden Erkenntnis, dass Arbeitskultur, Diskriminierung, Belästigung, Macht und psychisches Wohlbefinden nicht voneinander getrennt werden können.

Aber sie ergeben noch kein umfassendes Bild.

DACH-weite Umfrage nach dem Vorbild von Looking Glass


Im deutschsprachigen Raum (sog. DACH-Region) gab und gibt es wichtige Teilstudien und Initiativen, etwa zu Diversität, Diskriminierung, sexualisierter Belästigung, Arbeitsbedingungen und Fairness in der Produktion. Sie liefern wertvolle Ausschnitte.

Was bislang jedoch zu fehlen scheint, ist ein Äquivalent zu Looking Glass: ein wiederkehrendes, unabhängiges und umfassendes Barometer zur psychischen Gesundheit von Menschen, die in der DACH-Region in Film und Fernsehen arbeiten.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Ein Verhaltenskodex ist nicht dasselbe wie eine Umfrage. Eine Beschwerdestelle ist nicht dasselbe wie eine branchenweite Datengrundlage. Eine Vertrauensperson kann eine einzelne Person unterstützen, aber sie kann allein nicht beantworten, wie verbreitet bestimmte Belastungen sind, welche Gruppen besonders betroffen sind, welche Departments besonders exponiert sind oder ob sich Dinge im Laufe der Zeit verbessern.

Im Moment haben wir viele Eindrücke, viele Gespräche und viele individuelle Erfahrungen – aber noch keine gemeinsame Karte.

Natürlich sind die britische und die deutschsprachige Branche nicht identisch. Fördersysteme, Arbeitsrecht, Senderstrukturen, Produktionsmodelle und gewerkschaftliche Traditionen unterscheiden sich. Wir sollten britische Ergebnisse nicht einfach auf Deutschland, Österreich und die Schweiz übertragen.

Aber es wäre ebenso optimistisch anzunehmen, dass die zugrunde liegenden Belastungen völlig anders sind. Auch die DACH-Branche basiert stark auf projektbasierter Arbeit und freien Karrieren. Auch sie kennt Hierarchien, Zeitdruck, persönliche Netzwerke, Reputationsrisiken und Phasen finanzieller Unsicherheit. Viele Menschen sind ihrer Arbeit zutiefst verpflichtet, zugleich aber anfällig für Erschöpfung, Isolation und Abhängigkeit von künftiger Beschäftigung.

Eine DACH-weite Umfrage nach dem Vorbild von Looking Glass könnte manche Annahmen bestätigen und andere infrage stellen. Genau deshalb wird sie gebraucht.

Es ginge nicht darum, die Branche anzuklagen. Es ginge darum, sie zu verstehen.

Eine solche Umfrage könnte von einer Koalition bestehender Institutionen aus dem Film- und Fernsehbereich initiiert werden, idealerweise mit einem unabhängigen akademischen Partner – etwa einer Universität oder einem Forschungsinstitut mit Expertise in Arbeitspsychologie, psychischer Gesundheit, Arbeitssoziologie oder Public Health. Das könnte methodische Qualität, ethische Sorgfalt und Glaubwürdigkeit sichern.

Die Umfrage sollte anonym, unabhängig und regelmäßig wiederholt werden, vielleicht alle zwei Jahre. Sie sollte freie Mitarbeitende und Angestellte einbeziehen, Menschen vor und hinter der Kamera, Berufseinsteiger*innen und erfahrene Heads of Department, Produktion, Postproduktion, Casting, Verleih, Festivals, Sender und Streamer.

Sie sollte nach psychischer Gesundheit und Wohlbefinden fragen, nach Einsamkeit, Beschäftigungslosigkeit, finanzieller Unsicherheit, Arbeitszeiten, Ruhezeiten, Diskriminierung, Belästigung, Mobbing, Meldeverhalten, Vertrauen in Beschwerdesysteme, Zugang zu Unterstützung, Erfahrungen mit Vertrauenspersonen oder ähnlichen Rollen, Führungskultur und Gründen, warum Menschen erwägen, die Branche zu verlassen.

Sensible Fragen, auch zu Suizidgedanken, müssten verantwortungsvoll gestellt und mit geeigneten Hinweisen auf Unterstützung verbunden werden. Aber schwierige Fragen zu vermeiden, lässt die zugrunde liegenden Probleme nicht verschwinden.

Der Beginn einer solchen Arbeit würde eine Anschubfinanzierung erfordern. Fragebogendesign, Datenschutz, ethische Prüfung, Öffentlichkeitsarbeit, wissenschaftliche Partnerschaft, Auswertung und Veröffentlichung kosten Geld. Verglichen mit den Kosten von Burnout, Krankheit, Konflikten, Berufsausstieg und verlorenem Talent wäre dies jedoch eine überschaubare und sinnvolle Investition.

Das Ziel wäre eine Bestandaufnahme als seriöses, evidenzbasiertes Bild davon, wo unsere Branche derzeit steht. Denn wenn wir nicht wissen, wo wir stehen, wie sollen wir wissen, wo wir ansetzen müssen? Wie können wir entscheiden, welche Unterstützungsstrukturen funktionieren? Wie können wir wissen, ob Respect Codes, Vertrauenspersonen, Weiterbildungen und Beschwerdestrukturen diejenigen erreichen, die sie brauchen?

Eine DACH-weite Looking-Glass-Umfrage würde die psychischen Belastungen der Film- und Fernsehbranche nicht allein lösen. Das könnte keine Umfrage. Aber sie würde uns etwas geben, das uns derzeit fehlt: eine gemeinsame, unabhängige und wiederkehrende Evidenzbasis.

Film kann die Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Vielleicht muss unsere Branche nun auch sich selbst einen Spiegel vorhalten – nicht um zu beschämen, nicht um Schuld zuzuweisen, sondern um klarer zu sehen.

John Kegoh

Gastautor, Schauspieler und Vertrauensperson

Unmittelbar nach Abschluss seines Psychologiestudiums begann John in der Film- und Fernsehbranche. Er arbeitete zunächst vor allem in der Produktion, bevor er in die Postproduktion wechselte, wo er als Editor tätig war. Zudem war er mehrere Jahre als Gastprofessor für Schnitt an der HFF Konrad Wolf in Babelsberg (heute Filmuniversität Babelsberg) tätig.

Um 2002 wechselte er die Seite und ist seitdem Schauspieler. Im Januar 2026 gehörte er in Deutschland zu den ersten, die sich als Vertrauensperson qualifizierten.

© Dongryoung Han

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