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Die Stimme: Otto Sander

02.07.2006  |  Das Gespräch führte: Tina Thiele

 © Motiv: Otto Sander | Credit: Leonard Zubler

Otto Sander - Steckbrief
Seine geschmeidig-raue Stimme ist unverwechselbar, seinen melancholisch lächelnden Blick vergisst niemand. Otto Sander ist einer der Meister seines Fachs. Das Theater hat ihn groß gemacht, Kino und Fernsehen populär. Durch die Filme von Wim Wenders hat er Kult-Status erreicht. Als Sprecher gilt Otto Sander schlicht als die Stimme.

T. T.: „Wie würden Sie den Begriff „Leidenschaft“ erklären?“

O. S.: „Das dauert den ganzen Tag. Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer Leiden sucht, was Leiden schafft.“ (Altes deutsches Sprichwort.)


Sie gelten als die „Berliner Stimme“, obwohl sie gar nicht aus Berlin kommen. Wie hat sich dies ergeben?
Stimmt! Geboren bin ich in Hannover. In München studierte ich Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte. Meine Schauspielerausbildung absolvierte ich an der Münchner Otto Falkenberg Schule. Dort hatte ich eine hervorragende Sprechlehrerin namens Tilde Turowski, die mir das Sprechen beigebracht hat. Damals gab es noch diese Studios, in denen man das Rotlicht einschalten konnte und in Ruhe üben konnte. Da ich aus dem Niedersächsischen Gebiet komme, sprach ich immer dass „ei“ als „aei“ aus. Zudem hatte ich Probleme mit meinem Zwerchfell. Auf meine Bitte hin fragte ich Tilde Turowski nach Einzelunterricht. Da ich an meiner von Natur aus gegebenen Stimme ja nichts ändern konnte, arbeiteten wir also an ihrer Verbesserung. Um die stimmliche Qualität aber über vier, fünf Stunden durchhalten zu können - ohne heiser zu werden - muss man viel trainieren. Das habe ich damals schon gemacht und bin bis heute dabei geblieben.

Gehen Sie dabei eher analytisch oder emphatisch vor?
Da bin ich wohl eher der Analytiker-Typ. Zuerst probiere ich den Text aus, indem ich das Geschriebene laut vor mich hin spreche. Da es meine Leidenschaft ist, mit Sprache umzugehen und auch mit ihr zu spielen, experimentiere ich vielfach. Dabei ist es auch wichtig, den Unterschied zwischen dem privaten und beruflichen Sprechen zu berücksichtigen. Wenn man vor ein Publikum tritt und etwas vorträgt, muss man versuchen, beim Zuschauer / -hörer eine bestimmte Phantasie zu erzeugen. Das ist ein ganz anderer Vorgang als ein privates Gespräch.

In Köln lasen Sie unlängst zusammen mit Götz Alsmann "Max und Moritz und andere Lieblingswerke". Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?
Bereits im letzten Jahr stand ich mit Götz auf der Bühne und fand das, was er gemacht hat, sehr beeindruckend. Da habe ich ihn einfach gefragt: „Können wir beide nicht mal Wilhelm Busch zusammen machen?“ Das war eine alte Idee von mir und ich fand ihn sehr gut dafür. Man mag sich gegenseitig und liebt die Bühne. Die gegenseitige Neugier an einen Text gemeinsam ranzugehen und dennoch jeder von uns beiden seine besondere Art und Weise mit einbringt, war sehr bereichernd. Er liest den Text so, wie der Inhalt ist und ich interpretiere den Text so, wie ich ihn interpretieren will. Da ist schon ein Gegensatz. Er macht es mehr aus dem Bauch und ich eher aus dem Kopf heraus.

Welche Beziehung haben Sie zu den Werken von Wilhelm Busch?
Eine sehr gute: Als Melancholiker, nicht als Humorist. Ein großer, weiser Melancholiker, der versucht hat, die Welt, in der er lebt – also die Bismarck-Zeit – zu durchschauen. Dabei ist er immer wieder an Ecken gestoßen, wo er Ärger bekommen hat, und das gefällt mir.

Solche Kooperationen muss man doch bestimmt zusammen entwickeln, oder?
Unbedingt. Ich habe mein Leben lang so gearbeitet. Ich habe alle aufgesucht, bin immer zu allen hingegangen und habe sie gefragt: „Wie machst du das? Wie sprichst du? Wie übst du?“. Ich habe immer geglaubt, dass ich kontinuierlich üben muss, damit ich nicht aus der Übung komme. Zu allen bin ich immer mit diesen Fragen hingegangen, weil ich wissen wollte, wie man das, was man im Kopf hat, auch ausdrückt, damit dasjenige, was im Kopf gefiltert wird, aus dem Mund rauskommt. Das heraus zu bekommen, ist das Spannendste überhaupt.

Bestimmen Sie mit, ob Ihre Sprecherleistungen in ihren Biografien aufgelistet werden?
Ja, ich bestimme das mit. Das ist schon schön, weil mir das ja auch Spaß macht. Ich habe bestimmt schon 300 Hörbücher gemacht und spreche auch gerne Kommentare. In Berlin läuft gerade die Melancholie-Ausstellung in der National Galerie. Da kann man ein Headset aufsetzen, und ich erzähle den Leuten etwas zu den Bildern. Den Text habe ich so zu ändern versucht, dass ich den Leuten persönlich sagen kann, was ich über die Werke denke. Daraufhin habe ich so viele Zuschriften wie noch nie zuvor bekommen.

Sie haben ja schon länger nicht mehr im Film- und TV gespielt. Liegt das an der Angebotslage?
Ja. Man liest Drehbücher und überlegt sich: „Soll ich jetzt damit nun sechs Wochen meines Lebens verbringen oder soll ich lieber etwas anderes machen?“ Zudem werden heute ja immer mehr Low-budget- oder No-budget-Filme gedreht, also entweder mit wenig Geld oder ohne Geld. Ich übe diesen Beruf ja schon seit vierzig Jahren aus und habe schon viel gedreht. Weil ich von Natur aus notorisch neugierig bin, will ich vielleicht aber einfach auch nur wissen, was man mit diesem Beruf über die Schauspielerei hinaus noch machen kann.

Wer ist für Sie ausschlaggebend bei einem Projekt?
Es geht nicht um einen Einzelnen, sondern dass die Chemie stimmt. Dann fragt man sicherlich auch mal nach der Gage, wobei ich bei einem guten Projekt, welches mich interessiert, auch trotz schlechter Bezahlung mitmache. Das kann es ja auch geben.

Sie werden in einer Quelle auch als Synchronsprecher aufgelistet. Machen Sie diese Arbeit gern?
Ich habe einmal Dustin Hoffman in „Tod eines Handlungsreisenden“ gesprochen, das soll angeblich gut gewesen sein, jedenfalls stand es so in der Zeitung. Bei den Vorbereitungen zu der Synchronisation habe ich mir den Film Wochen vorher angeschaut und habe genau überlegt, was Dustin Hoffman sich in diesem Moment gedacht haben könnte. Vor einem halben Jahr habe ich ihn bei den Berliner Filmfestspielen getroffen und er fragte mich, ob ich derjenige sei, der ihn in diesem Film synchronisiert habe. Ich sagte ihm, dass ich mich lange darauf vorbereitet habe, um der Rolle gerecht zu werden. Herr Hoffmann fand das gar nicht so schlecht – hat er zumindest gesagt!

Wem haben Sie noch Ihre Stimme verliehen?
Einmal habe ich noch William Hurt synchronisiert, weil ich den Film so gut fand. Ich sollte einmal Jerry Lewis in „The King of Comedy“ auf seinen Wunsch hin synchronisieren. Bei dem Versuch, dies zu machen, wurde mir eine deutsche Textversion vorgelegt, die absolut nichts mit dem Original zu tun hatte. Da bin ich nach einer Stunde raus gegangen und habe gesagt: „Ich mache da nicht mit!“. Wenn man Komik ernst nehmen will – und das ist ja mein Hobby – und unter diesem Aspekt den Synchronbereich betrachtet, gibt es nur wenige, die den Vorlagen gerecht werden. Ehrlicherweise muss ich auch zugeben, dass wenn ich jemandem meine Stimme leihe, auch als Künstler wahrgenommen werden möchte.

Gibt es etwas bestimmtes, was Sie noch experimentieren möchten?
„Das letzte Band“ von Samuel Beckett in der Übersetzung von Elmar Tophoven. Die erste Testphase ist bereits abgelaufen. Die Premiere wird am 16. Mai in Recklinghausen stattfinden. Da bin ich dann alleine auf der Bühne und es geht um die Stimme. Ein alter zermürbter Mann sitzt am Tisch und hört sich alte Tonbänder aus seinem Tagebuch an. 1960 habe ich dieses Buch von meinem Vater geschenkt bekommen. Ich fand das damals schon so genial, dass ich es mit einem alten Tonbandgerät eingeübt und meinen Eltern vorgespielt habe. Dieses Buch und die dazu gehörigen Notizen, die ich mit 18 Jahren gemacht habe, habe ich vor einiger Zeit wieder gefunden und sagte mir: „Das will ich jetzt noch einmal machen.“

Haben Sie heute immer noch eine Sprecherzieherin?
Ja! Immer öfter spreche ich die Texte meiner Enkeltochter Lulu vor, um zu erfahren, ob sie das Gesagte überhaupt versteht. Wenn sie mir sagt, dass es nicht verständlich war, weiß ich, dass ich etwas falsch gemacht habe. Oder ich gebe Lulu einen Text und lasse sie vorlesen. Nehmen wir z.B. Ihr Webportal „Gesichter Gesucht.“ was heißt denn das eigentlich?“, würde sie mich sicherlich fragen. Unsere angeblich so vertraute Alltagssprache wird dann auf einmal kindlich hinterfragt. Ein anderes Beispiel: ich erzähle ihr ein Märchen – aber eben anders. „Oh das stimmt nicht!“ muss ich mir dann anhören. Die Dinge zu hinterfragen und mit kindlicher Neugier umzusetzen: das liebe ich. Das habe ich schon immer gemacht - durch Lulu wird mir das nur einfach bewusst.

Vielen Dank, Herr Sander

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last update: 23.02.2026 Details