• Castings
    • Wer castet was?
    • Casting Angebote
    • Angebot kostenlos schalten
  • Workshops
    • Alle Workshops
    • Workshop schalten
  • Netzwerk
    • Alle Netzwerkeinträge
    • Ausbildung
    • Expertise & Services
    • Sprungbrett
    • Casting Directors
    • Agenturen
    • Audio & Synchron
    • Eintrag erstellen
  • News
    • CN Klappe
    • CN Kalender
    • CN Special
    • Talk & Connect
    • Newsletter anmelden
  • Vielfalt
    • Cast Me In
    • Set for All
    • Diversity Network
    • Vereine und Verbände
    • Unterstütze uns!
Login
Pro Mitglied werden
  1. Home
  2. CN Klappe
  3. Bernhard Hoestermann: Über Küren und Pflichten!
CN Klappe
  • Artikel
  • Agenturen

Bernhard Hoestermann: Über Küren und Pflichten!

10.03.2006  |  Das Gespräch führte: Tina Thiele

 © Motiv: Bernhard Hoestermann | Credit: Thorsten Hergasz
Bernhard Hoestermann- Steckbrief
Aufgewachsen in Essen im Ruhrpott, gründete Bernhard Hoestermann seine Agentur 1990 direkt nach dem Mauerfall in Ost-Berlin, hervorgegangen aus einem Künstlersekretariat. Heute ist die Agentur in Westberlin ansässig. Seit 2003 heißt die Agentur hoestermann – Agentur für Schauspieler. Bernhard Hoestermann ist Gründungsmitglied des Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater e.V. (VdA).
Die Autorin lernte Bernhard Hoestermann beim Casting für die Kinoproduktion "Edelweisspiraten" (u. a. eben mit Anna Thalbach) kennen. Auch im Fachbuch Casting ist Bernhard Hoestermann vertreten.

Eigentlich wollte Bernhard Hoestermann Arzt werden. Doch bis heute ist sein OP das Agenten-Business geblieben. Im Mittelpunkt steht die Vermittlung und Betreuung von Engagements der Schauspielerinnen und Schauspieler in den Bereichen Film, Fernsehen, Theater und Hörfunk, für Literaturlesungen, Hörbücher und Werbung. Heute zählt hoestermann – Agentur für Schauspieler zu einer der erfolgreichsten Schauspieleragenturen Deutschlands. Dabei hat sich das „oe“ Logo als Marke etabliert und wird dementsprechend auch mit der Berliner Agentur verbunden.

Wie viele Klienten vertreten Sie derzeit bzw. mögen Sie den Begriff „Klienten“?
Wir betreuen im Moment 48 Schauspielerinnen und Schauspieler. In der Agentur sind aktuell drei Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte beschäftigt. Das Wort Klienten mag ich persönlich nicht. Ich spreche manchmal, wenn man denn einen Begriff braucht, von Mandanten. Klient klingt so nach Arztpraxis. Ich finde Mandanten angebrachter, wenn man den Begriff der Vertragsverhandlungen, etc. in den Vordergrund stellen will. Letztlich ist es schon eine Dienstleistung, die wir hier machen und das soll sich auch in der Beschreibung des Arbeitsverhältnisses widerspiegeln. Ansonsten spreche ich lieber von den Schauspielern, die wir vertreten und für die wir die Ehre und die Freude haben, zu arbeiten.

Was bedeutet es für Sie, Agent zu sein?

Ich liebe meinen Beruf. Es ist selbstverständlich viel Nerviges und Lästiges dabei, aber ich schätze den Beruf immer dann, wenn ich im Theater, vor dem Fernseher oder im Kino sitzend, einen tollen Film oder ein tolles Stück sehe, wo ein Schauspieler, für den wir arbeiten, spielt und das Ergebnis klasse ist. Das ist sozusagen die Belohnung für die Arbeit, wenn man sieht: Da hat jemand etwas erreicht und daran sind wir mit unserem Anteil der organisatorischen Unterstützung und der künstlerischen Beratung in gewisser Weise beteiligt.
Ich selbst bin kein Künstler, doch wenn ich in dieser Weise daran mitwirken kann, gibt mir das sehr viel. Es entsteht mit den Schauspielern eine künstlerische und auch menschliche Partnerschaft über einen langen Zeitraum, was sehr schön ist und auch Spaß macht. Es gibt so viel Wichtigtuerei und Oberflächlichkeit in unserer Branche, von der ich mir wünschen würde, dass es sie nicht gäbe, aber man muss da einfach durch und zum Wesentlichen kommen: sich nicht den Weg verstellen zu lassen. Das ist es, worauf es ankommt.

In welchen Bereichen arbeiten Ihre Schauspieler und haben Sie bestimmte Präferenzen, wenn es um Formate geht?

Ich würde generell sagen, dass alle Schauspieler, für die wir arbeiten, eine Mindestanforderung an Qualität erfüllen, einen Qualitätsanspruch an sich selbst haben, den wir als Agentur unterstützen und fördern und in diesem Rahmen wollen wir mit den Leuten arbeiten. Es gibt natürlich Unterschiede im äußeren Erfolg der Arbeit. Beispielsweise Thomas Kretschmann mit King Kong, dem Papstfilm Fürchtet Euch nicht! oder mit Der Pianist von Roman Polanski hat einen anderen Erfolg als jemand, der nach der Hochschulausbildung erst einmal zwei Jahre ins Festengagement verschwindet und danach vielleicht an einem regionalen Theater ist. Die Kriterien für Erfolg sind also vielfältig.
Ich würde die Schauspieler nicht einteilen in die Tollen, die Filme machen in die Halbtollen, die Fernsehen machen und dann in die Kunstidioten, die Theater machen, sondern ich würde sagen: Für einen Schauspieler ist es gut, wenn er in allen diesen unterschiedlichen Arbeitsbereichen -seiner Begabung entsprechend natürlich- arbeitet. Es ist für die meisten Schauspieler gut und wichtig, sowohl auf der Theaterbühne als auch vor Kamera für Film und Fernsehen zu stehen. Und deswegen möchte ich da nicht werten bzw. das eine dem anderen vorziehen. Das hat zur Folge, dass wir viele Schauspieler betreuen, die vielfältig arbeiten. Wir als Agentur fördern sehr stark das Anliegen der Schauspieler, sowohl Theater zu spielen als auch vor der Kamera zu agieren, was ja oft von beiden Arbeitgeberseiten mit Skepsis betrachtet oder gar abgelehnt wird. Es ist natürlich für eine Filmproduktionsfirma mühsam, wenn sie ständig die Theatertermine der Schauspieler berücksichtigen muss und umgekehrt. Gleichwohl finden wir es wichtig, diese Flexibilität zu fördern und die Schauspieler der Agentur darin zu unterstützen, in beiden Medien zu arbeiten. Andererseits muss man zugeben, dass Theater-Rollen nicht die Popularität einer Fernsehserien-Hauptrolle, bei der man sich regelmäßig der ganzen Republik präsentiert, erreichen. "Theaterprominenz" ist da schon exklusiver, elitärer...

Raten Sie Schauspielern ab, für bestimmte Medien zu arbeiten?

Das Problem besteht darin, dass man auf ganz andere Weise mit dem Produkt an sich und auch mit der Qualität des Produktes identifiziert wird, wenn man im Bild ist. Ein Regisseur dagegen macht sich überhaupt nicht den Namen kaputt, wenn er von der Telenovela über die Nachmittagsshow bis hin zum Kinofilm in verschiedenen Genres arbeitet. Ein Schauspieler kann sehr schnell für bestimmte Sachen nicht mehr in Frage kommen, wenn er in Formaten auftaucht, die ihn in den Augen anderer diskreditieren. Da gibt es gelegentlich eine arrogante Haltung mancher Entscheider der Branche. Gott sei Dank hat sich dies im Werbebereich inzwischen verflüchtigt: Werbung, gerade von Prominenten, ist nicht mehr anstößig. Aber auf einigen Sendern wird man Schwierigkeiten damit haben, jemanden, der regelmäßig in einer Telenovela oder in einer Soap agiert, parallel für ein Fernsehspiel zu besetzen.

Arbeiten Ihre Schauspieler auch im Synchronbereich?
Was den Synchronbereich angeht, habe ich bei den Schauspielern, mit denen wir arbeiten, die Erfahrung gemacht, dass sich die Terminplanung der Synchronfirmen mit der Disposition für Dreharbeiten oft nur schwierig vereinbaren lässt. Manche Schwierigkeiten entstehen auch dadurch, dass die Aufnahmeleitung für die viel synchronisierenden Schauspieler eine Art Agentenfunktion übernimmt und dann auch Provisionen dafür kassiert usw. Dann entsteht auch bei den Aufnahmeleitern so etwas wie eine Terminhoheit und die Koordination mit der Agentur wird problematisch.
Wirklich gewiefte Synchronsprecher können, wenn sie täglich synchron sprechen und gut angesehen sind, durch die Verschränkung mehrerer Serien und Sendungen, auf stattliche Gehälter kommen und mit vielen der drehenden Schauspieler durchaus mithalten. Wenn jemand viel dreht und gelegentlich Synchron macht, hat die Schauspielerei in der Regel die Priorität und die Synchronstudios stehen hinten an. Schauspieler, die im Moment nicht genug zu drehen haben, können so ausprobieren, ob Synchronsprechen für sie eine Alternative darstellt. Dann ist das Synchronisieren sicher eine sehr gute Möglichkeit, künstlerisch wertvolle schauspielerische Arbeit zu leisten.

Was halten Sie von dem Hörspielbereich?

Hörspiele stellen den „großen Klassiker“ dar. Alle im Theater, in Fernsehen und Film namhaften Leute sind dort zu finden. Die meisten Schauspieler, die ich kenne, lieben die konzentrierte Arbeit im Hörspielstudio. In diesem Bereich funktioniert die Disposition verblüffender Weise ganz gut. Es sind einige Sender, die trotz der Sparzwänge und Budgetkürzungen kontinuierlich wirklich gute Hörspiel-Produktionen machen: aus meiner Perspektive vor allem der WDR, der SWR, aber auch das Deutschlandradio und andere. Ein zusätzliches, relativ neues Segment ist der Hörbuchbereich. Auch da haben wir erfreulich viel mit zu tun. Hörbücher werden vornehmlich über die Namen der Sprecher verkauft: Also wenn da Anna Thalbach, Jessica Schwarz oder andere Prominente als Sprecher auftreten, dann verkauft sich das eben immer besser. Wenn diejenigen Schauspieler, die einen bekannten Namen haben, dann auch noch gute Hörbuch-Sprecher sind, dann können so sehr anständige Sachen entstehen.

Wie sieht die Betreuung der einzelnen Schauspieler aus?

Das ist sehr individuell. Wir haben Schauspieler, für die wir sehr viel die organisatorische Dienstleistungen erbringen und die inhaltlichen Diskussionen eher im Hintergrund stehen. Es gibt Andere, bei denen der Dienstleistungsbedarf kleiner ist und dafür die inhaltlich-künstlerische Auseinandersetzung oder die Karriereplanung im Vordergrund stehen. Aber in jedem Fall ist es unser Anliegen, uns mit jedem Schauspieler regelmäßig inhaltlich auseinanderzusetzen. Regelmäßig heißt bei einigen monatlich oder öfter, bei anderen wesentlich seltener, wenn die Dinge klarer sind. Ein Schauspieler im langjährigen Festengagement braucht meine Beratung für die tägliche Arbeit natürlich weniger als ein junger freiberuflicher Schauspieler, der eine fortlaufende intensive Auseinandersetzung beansprucht. Die Dienstleistung ist die Pflicht und die künstlerische Auseinandersetzung ist die Kür unserer Arbeit. Ohne die Kür würde die Pflicht auch keinen Spaß mehr machen. Darüber hinaus haben viele unserer Schauspieler zusätzlich auch PR-Agenten oder Publizisten. Da arbeiten wir mit Heike Melba Fendel / Barbarella Entertainment, Ute Zahn / artistnetwork, Christian Jerger / orangepop und Peter Schulze / Schulze & Heyn Film-PR zusammen. Sie vertreten seit geraumer Zeit viele der deutschen Nachwuchsstars wie bspw. Robert Stadlober, Jessica Schwarz oder Sebastian Urzendowsky (ehemals Schmidtke).

Wie kam es dazu?

Das ist keine gesonderte Strategie. Wir haben eine relativ geringe Fluktuation. Die Schauspieler sind langfristig bei uns. Wie beispielsweise Inga Busch: Es gab, als wir uns kennen lernten, eine große Aufmerksamkeit für sie, insbesondere nach dem Grimme Preis 1997. Wir als Agentur haben dann aber auch weiter an ihren Erfolg geglaubt, als es wieder stiller um sie wurde. Seit drei Jahren hat Inga Busch nun sowohl vor der Kamera als auch auf der Theaterbühne einen richtig tollen Stand. Und plötzlich wird sie wiederum als Nachwuchsstar gehandelt. Wenn also eine solche langfristige, kontinuierliche Arbeit belohnt wird, dann ist das natürlich klasse. Wir haben unseren Blick ganz absichtsvoll auch für Schauspieler geöffnet, die nicht von der Schauspielschule kommen. Jessica Schwarz, Robert Stadlober und Sebastian Urzendowsky sind einige Beispiele dafür, sie hatten keine klassische Ausbildung, sondern haben sich über ihre Arbeit, ihre Filme profiliert und ihr Talent unter Beweis gestellt. Früher waren wir in diesem Bereich weniger aktiv. Über die Entwicklung zum heutigen Status bin ich sehr froh.

Eine klassische Schauspielerausbildung ist also kein Muss?
Worauf wir Wert legen, das ist die Arbeit, die man letztendlich sieht. Sebastian Urzendowsky zum Beispiel: Ich hatte ihn das erste Mal wahrgenommen in Paul is dead. Dann hat er später mit Tobias Schenke in dem Jürgen Bartsch Film Ein Leben lang kurze Hosen tragen gespielt. Bei der Premiere haben wir uns kennen gelernt und aus diesem Gespräch ist eine gegenseitige Wertschätzung entstanden. Dann hat es noch mal über ein Jahr gedauert, bis Sebastian entschieden hat, welchen Weg er einschlägt. Er wird jetzt eine klassische Schauspielausbildung beginnen. Nicht jeder, der als Kind schauspielert, will das später zum Beruf machen. Für uns ist das wichtigste Kriterium bei einem Nachwuchsdarsteller, dass er sich ganz bewusst dafür entschieden hat, Schauspieler zu sein. In dem Moment wird der Schauspieler für uns als Agentur interessant und wir auch für ihn. In jedem Fall muss sich ein Schauspieler, der keine klassische Ausbildung absolviert hat, fortlaufend weiterbilden. Da gibt es keinen richtigen oder falschen Weg, da das eine individuelle Angelegenheit ist. Bestimmte Sachen muss man einfach fortlaufend üben. So finden wir gemeinsam mit den Nachwuchsdarstellern heraus, was für den Einzelnen der beste Fortbildungsweg ist.

Hat sich die Qualität der Drehbücher in den letzten Jahren verändert?
Ja! Die Gesamtqualität der Fernseh- und Kinoproduktionen ist in der Summe spürbar schlechter geworden. Als vor fünf Jahren zunächst das Produktionsvolumen zurückging, hatten wir noch keine Probleme, weil unsere Schauspieler nach wie vor gut ausgelastet waren, in guten Projekten dabei sein konnten. Seit zwei Jahren ist es allerdings so, dass aufgrund des Rückgangs an guten Drehbüchern der Wettbewerb deutlich schärfer geworden ist. Das war der Zeitpunkt, wo die Gesamtkrise sich auch auf uns auswirkte. Ich denke, dass es sich nicht um eine Volumenkrise sondern viel mehr um eine Qualitätskrise handelt. Manche Schauspieler, die früher durchgehend beschäftigt waren, merkten, dass sie aufgrund dieser Qualitätskrise weniger zu arbeiten hatten, falls sie nicht zu dem Kompromiss bereit waren, sich auch auf Projekte einzulassen, die künstlerisch nicht wirklich etwas hermachen. Ich bin sicher, dass dieser Spagat noch deutlich weiter wird. Dass man zum Geldverdienen Rollen annehmen wird, die nicht den eigenen künstlerischen Ambitionen entsprechen. Inhaltlich gute Produktion sind heute oft deutlich unterfinanziert, so dass man es sich als Schauspieler nur dann leisten kann, in einem solchen Film mitzuspielen, wenn man andererseits bereit ist, bei weniger hochwertigen aber besser bezahlten Projekten dabei zu sein.

Was wäre ein Gegenvorschlag zur derzeitigen Besetzungspolitik?

Weniger Showreels, weniger autistische Außen-Betrachtung der Schauspieler. Ich finde viel mehr direkte Castings wichtig, bei denen die Beteiligten anwesend sind, also der Schauspieler, der spielen soll, der Regisseur, der inszenieren soll sowie der Casting Director und gegebenenfalls auch der Produzent bzw. Redakteur. Wichtig finde ich außerdem, die Filme der anderen anzuschauen, viel mehr ins Theater zu gehen und dadurch ein Gespür für die Schauspieler zu entwickeln, so dass man einen direkten unmittelbaren Eindruck bekommt und sich nicht auf diese mediale Vermittlung verlassen muss. Ich glaube, es gibt wohl kein Land, in dem so viele Demobänder und digitale Profile kursieren, wie auf dem deutschen Markt. Von dieser „Materialschlacht“ müssen wir wegkommen und wieder zur direkteren Wahrnehmung der beteiligten Menschen übergehen. Viele Nachwuchsregisseure haben wenig Erfahrung mit Schauspielführung. Das ist ein Mangel, den man nur dadurch beheben kann, dass mehr praktische Erfahrung in die Regieausbildung integriert wird.

Vielen lieben Dank, Bernhard Hoestermann.


Wir vernetzen Talente

Feedback
Neu entdecken!
Das Team
Tina Thiele
Inhaberin
Herausgeberin v.i.S.d.P
Tina Thiele
Kontakt
+49 221 94655620
info@casting-network.de
Bürozeiten:
Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr
Über Uns Das Team Pat*innen Hilfe / FAQ Preisliste Werben Presse
© 2025 Casting Network. All rights reserved.
AGB Datenschutz Impressum Cast Me In e.V. Code of Conduct
last update: 23.02.2026 Details