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Aus der Community für die Community

18.03.2026 | Redaktion

Patrick und Esra Phul kommen nicht aus den klassischen Kaderschmieden der Branche. Keine Filmhochschule, kein gerader Weg, kein Warten auf Einladungen. Sie haben früh selbst angefangen: mit Kamera, YouTube, eigenen Formaten, eigenen Bildern. Ein Gespräch mit den Creators über verkannte Zielgruppen.

Bekannt wurden Esra und Patrick durch die Rap-Musical Serie „Hype“. Aktuell befindet sich ihre Serie „All Heroes are Bastards“ in der Postproduktion. Heute schreiben, inszenieren und produzieren sie ihre Projekte selbst – und gehören zu jenen Stimmen, die das deutsche Serienschaffen gerade hörbar verändern.

Was sie antreibt, ist nicht nur der Wunsch, eigene Geschichten zu erzählen. Es geht auch darum, Räume zu öffnen für Filmschaffende mit familiärer Migrationsgeschichte, die in der Branche noch immer zu selten vorkommen: vor und hinter der Kamera, in Stoffen, in Förderstrukturen, in Entscheidungspositionen.

Im Gespräch erzählen Patrick und Esra, warum sie beim Casting mitsprechen, weshalb sie Filmhochschulen kritisch sehen, was sie aus der Creator-Welt in die Serienproduktion mitgenommen haben – und warum sie überzeugt sind, dass die spannendsten Geschichten oft dort liegen, wo die Branche noch immer nicht genau genug hinschaut.

© Sanel Pelko

Wenn ihr auf ein Projekt schaut – von der ersten Idee bis zur Premiere: Was ist euer Lieblingsteil? Und was eher nicht?

Patrick: Schön ist immer dieser erste Moment, wenn man eine Idee hat und merkt: Das ist stark, das wollen wir erzählen. Diese erste Begeisterung ist etwas Besonderes. Danach wird es schnell ernster, sobald man anfängt zu schreiben. Dann wird es auch schwieriger. Aber es gibt in jedem Abschnitt wieder schöne Momente – beim Schreiben, in der Vorproduktion, beim Casting. Für mich ist der Dreh trotzdem das eigentliche Highlight. Wenn man am Set steht, mit einem guten Team und starken Schauspielerinnen und Schauspielern, dann macht das einfach sehr viel Spaß.

Esra: Ich würde das ähnlich sehen – nur dass ich den Schreibprozess am wenigsten mag. Der nimmt mich emotional komplett auseinander. Gleichzeitig ist er natürlich der wichtigste Teil. Wenn das Buch nicht stimmt, stimmt am Ende nichts. Aber Drehen liebe ich. Vor allem die Arbeit mit Schauspielerinnen und Schauspielern. Und diese Momente, in denen jemand am Set plötzlich noch einmal etwas mitbringt, das man so nicht erwartet hat – das ist schon besonders.

Auch beim Casting entscheidet sich ja oft sehr viel. Schon eine kleine Verschiebung verändert das ganze Projekt. Wie wichtig ist euch dieser Prozess?

Patrick: Sehr. Wir haben oft gemerkt, dass andere Menschen beim Casting ganz andere Bilder von Figuren haben als wir. Und dann wird plötzlich klar, wie schnell eine Rolle zu einem ganz anderen Menschen werden kann, wenn die Autorinnen und Autoren da nicht eng dranbleiben.

Esra: Wir würden nie etwas schreiben und dann andere die komplette Umsetzung machen lassen. Wenn wir schreiben, dann inszenieren wir auch selbst und produzieren auch selbst. Gerade weil das Schreiben für uns der Kern ist, können wir das nicht einfach abgeben.

Esra beim Kongress „Connect For Change“
Esra beim Kongress „Connect For Change“ © Anna Spindelndreier
„Connect For Change“ Speaker*innen
„Connect For Change“ Speaker*innen © Anna Spindelndreier
Patrick beim Kongress „Connect For Change“
Patrick beim Kongress „Connect For Change“ © Anna Spindelndreier

Castet ihr selbst oder arbeitet ihr mit Casting Directors?

Esra: Beides. Wir sind beim Casting sehr stark involviert. Wir machen Aufrufe selbst, sichten selbst, laden Leute selbst ein. Bei „All Heroes Are Bastards“ hatten wir später mit Alina Yüksel einen Casting Director dabei, aber in enger Zusammenarbeit. Es ist nicht so, dass wir ein Briefing rausschicken und dann warten, was zurückkommt. Dafür ist uns dieser Prozess zu wichtig.

Ihr kommt aus der Creator-Szene. Was meint ihr eigentlich, wenn ihr von euch als „Creators“ sprecht?

Patrick: Für mich fing das sehr früh an. Ich habe mit 15 die Videokamera meines Vaters genommen und angefangen zu drehen – Musikvideos, Vlogs, später dann Sketche und andere Formate für YouTube. Wir haben immer selbst gemacht: Ideen entwickelt, gedreht, geschnitten, vor der Kamera gestanden. Das ist unser Background. Und ich glaube, genau das hilft uns heute, weil wir viele Prozesse nicht nur theoretisch kennen, sondern wirklich durchlaufen haben.

Esra: Dieses Selbermachen ist bis heute zentral. Wir wissen, wie viel in jedem einzelnen Schritt steckt. Vielleicht ist das der Unterschied: Wir kommen nicht aus einer Struktur, in der man nur einen Teil des Ganzen kennt.

Habt ihr je ernsthaft über eine Filmhochschule nachgedacht?

Patrick: Natürlich sieht man, dass eine Filmhochschule Vorteile hat – vor allem beim Netzwerk. Man ist mit Gleichgesinnten zusammen und lernt früh Leute kennen, mit denen man später weiterarbeitet.

Esra: Aber ich sehe das auch kritisch. Gerade aus unserer Perspektive wirkt das System oft sehr elitär. Vieles daran ist nicht so offen, wie es gern behauptet wird. Diversität hat dort lange kaum stattgefunden – und ehrlich gesagt hätten wir uns in solchen Strukturen wahrscheinlich nicht besonders wohlgefühlt. Man braucht keine Uni, um Film zu machen. Sie kann helfen, aber sie ist keine Voraussetzung.

Ihr habt auf dem Kongress davon gesprochen, einen Riesensprung gemacht zu haben. Wie viele Absagen standen davor?

Patrick: Das ist schwer zu zählen. Wenn ich zurückrechne, mache ich das seit ich 15 bin. Unsere erste Serie kam, als ich 30 war. Wenn man so will, hat es 15 Jahre gedauert.

Esra: In den letzten Jahren ist vieles aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. Aber natürlich gab es davor auch Momente, in denen uns gesagt wurde, dass bestimmte Schritte zu groß seien. Bei unserer Superheldenserie hieß es zum Beispiel sinngemäß: Macht erst noch ein, zwei Projekte wie „Hype“, dann könnt ihr über etwas Größeres reden. Das war nicht böse gemeint, glaube ich. Aber es zeigt schon, wie stark in der Branche in Stufen gedacht wird.

Patrick: Für uns war trotzdem klar: Wenn wir an etwas glauben, dann ziehen wir das auch durch.

Eure kommende Serie wird schnell als „migrantische Superheldenserie“ beschrieben. Das ist einerseits richtig, andererseits auch verkürzt. Wie verhindert ihr, dass die Figuren darauf reduziert werden?

Patrick: In diesem Fall ist es tatsächlich wichtig, dass diese Figuren migrantisch sind, weil das Teil des Plots ist. Es gibt in der Serie ein rassistisches Regime, das genau diese Menschen im Fokus hat. Aber für die Figuren selbst und deren Beziehungen untereinander spielt es keine Rolle.

Esra: Wenn man unsere Geschichte nur auf dem Papier liest, hat man vielleicht eine bestimmte Erwartung. Und genau die brechen wir. Diese Figuren sind nicht in erster Linie Chiffren. Es sind Menschen – mit Schmerz, mit Liebe, mit Freundschaft, mit Familie. Der Migrationshintergrund ist nicht das Einzige, was sie ausmacht. Bei einem Screening auf der Berlinale haben Leute nachher gesagt: So haben wir diese Figuren noch nie gesehen. Genau das wollten wir erreichen.

Szene aus „All Heroes Are Bastards“
Szene aus „All Heroes Are Bastards“ © Nekame Klasohm
Szene aus „All Heroes Are Bastards“
Szene aus „All Heroes Are Bastards“ © Nekame Klasohm

Wie geht ihr beim Casting konkret vor?

Esra: Ganz unterschiedlich. Manche Rollen suchen wir unter Zeitdruck, andere schon sehr früh. Oft haben wir schon während des Schreibens bestimmte Menschen im Kopf. Dabei schauen wir nicht nur auf klassische Schauspielerinnen und Schauspieler, sondern auch auf Rapper, Creator, Menschen von TikTok oder Instagram. Da gibt es unglaublich viele Talente.

Patrick: Wir erleben immer wieder, dass Menschen aus anderen Bereichen etwas mitbringen, das man im klassischen Casting oft gar nicht suchen würde.

Esra: Bei einer Hauptfigur unserer neuen Serie hatten wir lange jemand ganz anderen im Kopf. Dann fiel das weg, und wir mussten neu suchen. Irgendwann haben wir Kebir Sargin – viele kennen ihn als Sero El Mero – zum Casting eingeladen, obwohl er eigentlich gar nicht dem entsprach, was wir ursprünglich gesucht hatten. Aber beim Casting hat er uns komplett umgehauen. Sein Schauspiel war so stark, dass wir die Figur am Ende sogar umgeschrieben haben. Er hat die Figur einfach auf ein ganz anderes Level gebracht.

Das klingt nach sehr viel Offenheit.

Patrick: Die braucht es. Sonst reproduziert man nur, was man ohnehin schon kennt.

Ihr arbeitet inzwischen auch mit größeren Partnern zusammen. Wie schwierig ist es, sich in solchen Konstellationen die eigene Freiheit zu bewahren?

Esra: Vertrauen ist da der Schlüssel. Bei unserer Zusammenarbeit mit der bildundtonfabrik war von Anfang an klar, dass wir auf Augenhöhe arbeiten wollen – auch als Produzenten. Nur weil wir die kleinere Firma sind, heißt das nicht, dass wir automatisch kreative oder produzentische Kontrolle abgeben. Dieses Projekt kann nur gut werden, wenn die Leute, die es entwickelt haben, auch die Hoheit darüber behalten.

Patrick: Wir wollten keinen Partner, der nur auf Verwertbarkeit schaut. Uns war wichtig, dass da auch eine Leidenschaft für Inhalte da ist.

Esra: Und genau das haben wir gespürt. Deshalb funktioniert es.

Was habt ihr aus der Creator-Welt in die Serienproduktion mitgenommen?

Patrick: Vor allem Geschwindigkeit und Direktheit. In der Creator-Welt geht vieles sehr viel schneller. Der Übergang zu klassischer Produktion war deshalb erst einmal eine Umstellung, weil dort alles Monate oder Jahre dauert. Gleichzeitig haben wir aber auch viel von unserem Mindset mitgebracht.

Esra: Zum Beispiel im Umgang miteinander. Wir arbeiten sehr direkt, wir reagieren sofort, wir sagen, wenn etwas gut ist. Beim Szenenbild unserer Serie waren wir etwa völlig begeistert – und haben das auch gesagt. Mehrmals. Dasselbe beim Catering, bei Schauspielerinnen, bei einzelnen Departments. Für uns ist das normal. Aber wir haben gemerkt, dass das offenbar nicht überall so ist. Und das ist schade. Wenn etwas großartig ist, sollte man das auch sagen. Eine gute Feedbackkultur ist kein Extra, sondern Teil guter Arbeit.

Ihr sagt: NRW wird das neue Hollywood. Was meint ihr damit?

Esra: Natürlich nicht, dass wir morgen ein Hollywood-Schild auf ein Dach schrauben. Gemeint ist etwas anderes: In Deutschland wird unglaublich viel produziert, aber international bleibt davon wenig hängen. Wenn man im Ausland sagt, man kommt aus Deutschland, denken viele an immer dieselben wenigen Titel. Wir möchten, dass aus NRW Stoffe kommen, die auch außerhalb Deutschlands gesehen und erinnert werden.

Patrick: Es geht darum, dass hier Geschichten entstehen, die universell sind – auch wenn sie sehr konkret aus einem bestimmten Milieu kommen.

Esra: Unsere Serie ist deutsch, migrantisch, lokal verankert – und gleichzeitig etwas, das man auch in Paris, London oder New York fühlen kann.

Was müsste sich ändern, damit mehr Menschen wie ihr in diese Branche finden?

Esra: Man muss erst einmal zeigen können, was man kann. Auch ohne großes Budget. Social Media ist da eine riesige Chance. TikTok, Instagram, YouTube – das sind heute Plattformen, auf denen man Visionen sichtbar machen kann. Gerade wenn man nicht über den klassischen Weg geht.

Patrick: Und vielleicht wird KI dabei künftig auch noch eine Rolle spielen. Selbst wenn damit nicht sofort High-End-Produktionen entstehen, kann sie helfen, Ideen sichtbar zu machen. Ich habe jetzt schon Dinge gesehen, bei denen ich dachte: Wenn diese Person einmal richtig Geld bekäme, dann käme da etwas sehr Großes heraus.

Was sind eure größeren Visionen – jenseits des nächsten Projekts?

Patrick: Natürlich wollen wir unsere eigenen Stoffe weiter umsetzen. Davon gibt es viele. Aber wir wollen auch, dass wir nicht die Ausnahme bleiben. Es gibt so viele Leute mit ähnlichem Background, mit ähnlichem oder größerem Talent, die nie in diese Branche finden. Das muss sich ändern.

Esra: Wir wollen, dass nach uns – oder mit uns – viele andere kommen. Und wir brauchen dafür andere Strukturen. Vielleicht irgendwann sogar unseren eigenen Sender. Das meine ich ernst. Die Frage ist nicht, ob so etwas kommt, sondern wann.

Wie wichtig sind Mentor*innen, Menschen die an euch glauben und auch eingesetzt haben?

Patrick: Zuerst braucht es Menschen, die an deine Ideen glauben, auch wenn sie ungewöhnlich sind. Christoph Pellander und Carolin Haasis (ARD Degeto) verändern mit ihrer Vision auch das Bild, das viele vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen haben. Ich meine, wer hätte noch bis vor fünf Jahren gedacht, dass die ARD mal eine Superheldenserie macht? Ehrlich gesagt glauben uns das bis heute manche noch nicht.

Esra: Mentor:innen sind unglaublich wichtig. Ohne Schiwa Schlei, die Chefin von WDR Cosmo und 1Live, wären wir heute wahrscheinlich nicht hier. Sie hat uns damals die Tür in die Branche geöffnet. Ich finde es auch mega krass, welchen Support wir von der Film- und Medienstiftung NRW erfahren. Walid Nakschbandi und sein Team haben z.B. unsere erste Berlinale zu etwas ganz Besonderem gemacht. Durch diese Unterstützung hatten wir zum ersten Mal das Gefühl, wirklich Teil dieser Branche zu sein.

Letzte Frage: Was macht euch als Team aus?

Esra: Wir vertrauen uns. Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt. Und wir sind nicht in einem Egospiel. Es geht uns immer um das Projekt.

Patrick: Wir haben schon unsere unterschiedlichen Schwerpunkte. Beim Dreh ist einer von uns stärker bei Bildgestaltung und Schauspiel, der andere eher in anderen Bereichen, später dann etwa bei Festivals oder Produzentenfragen. Aber am Ende kommt alles wieder zusammen und wir entscheiden gemeinsam.

Esra: Vielleicht hilft auch, dass wir unser Leben ohnehin teilen. Wir kennen den Druck, die Sorgen, die Euphorie des anderen. Das macht vieles leichter.

Patrick: Und unsere Kinder kriegen das alles mit.

Esra: Total. Die warten manchmal schon auf die Dailies und schauen mit uns Material. Sie kennen Teile der Serie inzwischen fast auswendig.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Interview mit Esra & Patrick Phul vom Rap-Musical HYPE beim Film Festival Cologne 2023 © FFCGN

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