Joachim Król über seine Rolle im Kinofilm „Alte Liebe“
| Pandora Filmverleih
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel und meinen doch meistens etwas anderes. Kinostart ist der 8. Oktober 2026, das Casting übernahmen Karin Wendland und Jacqueline Rietz (Kinder und Jugendliche).
Herr Król, aus Ihrer persönlichen Sicht: Was ist Harry für ein Typ? Mochten Sie ihn von Beginn an?
Harry ist ein sympathischer, humorvoller, umgänglicher Typ, der sich permanent fragt, was die anderen, insbesondere seine Frau, eigentlich andauernd an ihm auszusetzen haben. Ich mochte ihn von Beginn an. Sich als Harry in die von unserem Autorenpaar entworfenen Situationen zu begeben, besonders in diesem überschaubaren Ensemble, hat riesigen Spaß gemacht.
Ist Harry ein glücklicher Mensch?
Als Vertreter seiner Generation, die mir ja nicht ganz fremd ist, würde Harry sagen: „Uns geht’s gut!“ Glück ist etwas für Lottospieler und Erben, kein staatliches Versprechen mehr, wie im ersten Teil seiner Biografie.
Welche Charaktereigenschaft hilft Harry am meisten, wenn es zwischen ihm und Lore im Streit um existenzielle Unterschiede geht?
Seine Charakterfestigkeit, auch wenn ihm das von Lore abwechselnd als mangelnde Anpassungsfähigkeit oder als Opportunismus ausgelegt wird. Man kann sich auf ihn verlassen.
© Kordes und Kordes Film / Pandora Film
War es spannend für Sie, eigene Züge und Macken an Harry zu entdecken oder besser nicht?
Eigene Züge und Macken sind in so einer Arbeit irrelevant. Das hervorragende Drehbuch hat mir alle Zutaten geliefert, aus denen man einen prima Harry backen kann. Dazu kommt dann die Aufgabe, sprich, die zu spielende Situation und die Auseinandersetzung mit Regie und der Kollegin.
Was genau macht für Sie die Qualität des Drehbuchs von Laila Stieler und Andreas Dresen aus?
Ich habe mich bei der Lektüre sehr gefreut. Das ging beim ersten Mal in einem Rutsch durch und das ist wahrlich nicht immer so. Ich kannte die Romanvorlage. Außerdem kenne beziehungsweise kannte ich Elke Heidenreich und Bernd Schroeder aus Kölner Zeiten. Der neue Ort der Handlung im Film hat mich dann ein wenig irritiert, aber wie sagte einst ein Berliner Taxifahrer zu mir: „Nee,nee, nee! Deutschland, wat bisse jeroß jeworden.“
Andreas Dresen zeigt sich regelrecht begeistert darüber, dass Sie für Harry eigene Dialogzeilen in „Alte Liebe“ eingebracht haben, „echte Króls“, wie er sie nennt.
Ach, tatsächlich? Das ist schön!
War es Zufall oder arbeiten Sie oft so? Wenn ja, welches Klima muss beim Dreh herrschen, damit Sie es tun?
Na ja, man arbeitet ja immer weiter in den wenigen Proben und von Take zu Take und das können bei Andi Dresen einige sein ... Das spricht aber unbedingt für das tolle Klima während der Dreharbeiten. Ich nehme mir eigentlich immer die Freiheit, textlich spontan reagieren zu können. Bei Gängen und Positionen bin ich streng. Der Kameramann, in unserem Fall Michael Hammon, muss ja wissen, wo er mich einfangen soll. Wer mich kennt, weiß, dass ich einer guten Pointe nie abgeneigt bin und solange es nicht aufhält oder stört … Apropos Michael Hammon: Die Leute im Kino können sich auf die schönsten Bilder ever freuen. Ever!
Als Harry tragen Sie in „Alte Liebe“ kaum vorteilhafte Kleidung und auch die Sache mit den Haaren ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Nochmals gefragt: War es Genuss oder Herausforderung?
Moment mal! Mein Look war das Ergebnis ausführlichster Zusammenarbeit mit der Kostüm- und Maskenabteilung. Birgitt Kilian und Nicole Förster haben alles gegeben, um mich zum Harry zu machen! Um ehrlich zu sein: Ich habe mich in Kostüm und Maske sehr zuhause gefühlt.
Wie wichtig sind Ihnen persönlich Routinen und Gewohnheiten, die Lore und Harry ja unbedingt brauchen?
Ich denke, Routinen und Gewohnheiten stellen sich in so einer langjährigen Beziehung irgendwann einfach ein. Sie machen das Zusammenleben leichter. Es ist Standardtanz! Ich persönlich gestalte sogar Routinen gern abwechslungsreich.
Im Vergleich zur Romanvorlage wird im Film „Alte Liebe“ Harrys Verhältnis zu Lores Mutter gestärkt. Mit welchen Worten möchten Sie dieses Verhältnis beschreiben? Es gab ja ein Leben vor Lenis Demenz ...
Sie war sicher keine klassische Schwiegermutter. Die humorvolle Erzählung am Sterbebett gehört zu meinen Lieblingsmomenten.
„Alte Liebe“ ist im Grunde ein Zweierstück. War dieses intensive Auf-den-Punkt-Spielen für Sie als bekennender Ensemblespieler Genuss oder besondere Herausforderung?
Oh, auch im Ensemble muss man auf den Punkt spielen! Spielen ist für mich immer Genuss. Herausfordernd war eher meine wunderbare Partnerin, die einem aber auch gar nichts durchgehen lässt. Und womit? Mit Recht! Ich habe mich jeden Drehtag auf sie gefreut.
Was war besonders an Ihrer ersten gemeinsamen Arbeit mit Dagmar Manzel?
We made a beautiful team! Man hockt bei einem Projekt nicht immer so viele Tage so aufeinander. Ich hätte es mir nicht besser wünschen können! Dagmar ist ein Riesenprofi mit Riesenherz. Und sie kann furchtbar gruselige Stimmen machen, allein dafür hat es sich gelohnt.
Haben Sie Kolleginnen und Kollegen im Kopf, mit denen Sie gern einmal vor der Kamera stehen wollen? Beeinflusst die Besetzung Ihre Entscheidung für ein Projekt?
Die Besetzung der Partner- und Partnerinnenrollen beeinflusst wesentlich meine Entscheidung für oder gegen ein Projekt. Es sind die großen W’s: Was? Mit wem? Wann? Wo? Wie viel? Was die Zusammenarbeit angeht, bin ich ein Freund der Überraschung. Jedoch weiß ich definitiv, mit wem ich nicht vor der Kamera stehen will.
Kollege Jack Nicholson hat gesagt: „Älter zu werden, heißt auch besser zu werden.“ Würden Sie das unterschreiben und sind Sie zufrieden damit, wie sehr die Rollen Ihrem Alter folgen?
Das kann man doch nicht generalisieren! Älter zu werden ist wie Atmen, es passiert einfach. Was man daraus macht, hängt dann schließlich von unzähligen Faktoren ab. Buster Keaton wird mit dem Satz zitiert: „Mit 35 sollte ein Schauspieler seinen Job können. Danach geht es nur noch um physische Fitness.“ Mir gefällt ein anderes Nicholson-Zitat besser: „The best is yet to come!“