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Deborah Congia © Natalia Rudziewicz | BVC Logo © BVC | Sabine Weimann © Lenz Harre
Deborah Congia © Natalia Rudziewicz | BVC Logo © BVC | Sabine Weimann © Lenz Har...
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Deborah Congia und Sabine Weimann: Go with the Flow

15.06.2026 | Redaktion

Deborah Congia und Sabine Weimann sprechen über ihre ersten Monate im BVC-Vorstand, Festivalpremieren, „Meals4Monolgues“, die legendäre „BVC Casting Night“ und darüber, warum die schönsten Begegnungen beim Filmfest München meist ungeplant passieren.

Das Filmfest München gehört für viele Filmschaffende zu den schönsten Branchentreffen des Jahres. Für Deborah Congia und Sabine Weimann hat die diesjährige Ausgabe eine besondere Bedeutung: Beide gehören seit der vergangenen Mitgliederversammlung gemeinsam mit Karimah El-Giamal dem neuen Vorstand des Bundesverbands Casting (BVC) an und sind gleichzeitig mit zahlreichen Projekten und Veranstaltungen auf dem Festival vertreten.

Während Deborah Congia die Premiere von „Morgen war Krieg“ erwartet, engagiert sich Sabine Weimann unter anderem für „Meals4Monolgues“. Im Gespräch erzählen die beiden Casting Directors, worauf sie sich beim Filmfest München besonders freuen, welche Rolle der BVC auf dem Festival spielt und warum die schönsten Begegnungen meist ungeplant passieren.

Worauf freut Ihr Euch beim diesjährigen Filmfest München am meisten?

Sabine: Ich freue mich total auf dieses gut gelaunte Sommerfestival. München hat eine große Offenheit. Man trifft Menschen aus der Branche wieder, die man lange kennt, lernt aber auch ständig neue Leute kennen. Man kommt schnell ins Gespräch, sitzt plötzlich irgendwo auf einen Affogato zusammen – dieses Südländische, die Isar, das vor dem Kino auf der Bordsteinkante sitzen, macht für mich den besonderen Charme des Filmfests München aus.

Deborah: Auf meine Premiere von „Morgen war Krieg“. Das ist ein Debütfilm, den ich gecastet habe. Außerdem finde ich das Filmfest München immer besonders schön, weil es so intim ist. Ich freue mich sehr darauf, Casting-Kolleg*innen zu treffen, die ich sonst nicht so regelmäßig sehe, und hoffentlich auch den einen oder anderen Film zu sehen.

„Morgen war Krieg“ läuft in der Reihe Neues Deutsches Kino. Was bedeutet Dir das Projekt?

Deborah: Es ist ein echtes Herzensprojekt. Das erste Treffen mit Regisseur Nicolas Ehret war bereits 2020. Gerade bei Debütfilmen ist der Weg oft lang, bis die Finanzierung steht und der Film wirklich gedreht werden kann. Als wir angefangen haben, wirkte das Thema noch fast abstrakt. Dann begann der Krieg in der Ukraine, und plötzlich bekam die Geschichte eine ganz andere Aktualität. Viele Beteiligte wollten diesen Film unbedingt machen, weil sie gespürt haben, wie wichtig und berührend das Thema ist.

Du wirst den Film dort tatsächlich zum ersten Mal sehen?

Deborah: Ja, tatsächlich. Sicherlich hätte ich ihn vorher schon sehen dürfen, aber ich wollte ihn zum ersten Mal auf der großen Leinwand gemeinsam mit unserem großartigen Team und dem Publikum erleben. Gerade bei einem Projekt, das mich so lange begleitet hat, ist das etwas ganz Besonderes. Deshalb bin ich auch sehr aufgeregt.

Sabine, Du engagierst Dich beim Filmfest erneut für „Meals4Monolgues“. Was steckt hinter dem Format?

Sabine: „Meals4Monolgues“ ist eine internationale Initiative, bei der alle Beteiligten Lebensmittel für die Tafel spenden. Schauspieler*innen erhalten dort die Möglichkeit, Casting Directors einen Monolog vorzuspielen und direktes professionelles Feedback zu bekommen. Das Format verbindet Nachwuchsförderung, Austausch und soziales Engagement. Bei Festivals macht es besonders Sinn. Dort treffen sich unkompliziert viele Casting Directors und viele Schauspieler*innen an einem Ort.

Warum ist Dir dieses Format wichtig?

Sabine: Weil es echte Begegnungen schafft. Unser Beruf hat sich stark verändert, vieles ist schneller und natürlich auch digitaler geworden. Hier kann man sich live begegnen. Man schaut genau hin, kommt ins Gespräch und entdeckt trotz der eingeschränkten Zeit manchmal Dinge, die sonst verborgen geblieben wären. Gleichzeitig kann man etwas Sinnvolles tun und mit der Tafel Menschen unterstützen, die Hilfe brauchen.

Natürlich gehört auch die Casting Night zum Filmfest. Was erwartet die Gäste in diesem Jahr?

Deborah: Die Casting Night findet in diesem Jahr am Starnberger See statt. Es wird von unserem Partner Peugeot sogar ein Shuttle-Service zur Verfügung gestellt, damit die Gäste entspannt an- und abreisen können. Die Resonanz ist schon jetzt enorm.

Ihr seid in diesem Jahr erstmals als neuer BVC-Vorstand auf dem Filmfest unterwegs. Welche Rolle spielt das Festival für den Verband?

Sabine: Das Filmfest München ist für uns eine wunderbare Gelegenheit, sichtbar zu sein und mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Viele Kolleg*innen sind mit ihren Filmen vertreten, gleichzeitig gibt es Veranstaltungen wie die bereits erwähnte „PEUGEOT BVC Casting Night“ oder „Meals4Monolgues“. Das schafft Präsenz, Austausch und die Möglichkeit, unseren Berufsstand sichtbar zu machen.

Darüber hinaus bringen sich BVC Casting Directors auch in das Industry-Programm des Festivals ein. So ist Daniela Tolkien auf dem VdA-Panel „Krise oder das neue Normal? – Ende oder Neuanfang?“ vertreten.

Deborah: Außerdem sieht man in München sehr schön, wie stark Casting inzwischen vertreten ist. Wenn man die Programme durchgeht, merkt man, wie viele BVC-Mitglieder mit ihren Arbeiten auf dem Festival präsent sind.

Der BVC ist mit erstaunlich zahlreichen Produktionen vertreten. Was bedeutet Euch diese Sichtbarkeit?

Sabine: Ich finde das großartig. Dass so viele BVC-Mitglieder mit Projekten vertreten sind, ist eine tolle Leistung. Und dass Casting inzwischen offiziell im Programmheft als Gewerk mit aufgeführt ist. Das ist ein wichtiges und wertschätzendes Zeichen und war nicht immer so.

Deborah: Als ich die Liste gesehen habe, war ich wirklich beeindruckt. Einige Kolleg*innen sind sogar mit mehreren Projekten vertreten. Das freut uns riesig!

Habt Ihr schon eine Filmliste und gibt es Filme von Casting-Kolleg*innen, auf die Ihr besonders gespannt seid?

Sabine: Bei Festivals suche ich tatsächlich oft gar nicht lange im Voraus aus, sondern schaue, was zeitlich überhaupt noch in meinen Kalender passt. Zwei Filme habe ich aber schon im Blick: „Identitti“, gecastet von Tanja Schuh, und „Schöne Seelen“ gecastet von Susanne Ritter. Beides sind Projekte, auf die ich sehr neugierig bin. Das Schöne an Festivals ist ja, dass man dabei oft Filme entdeckt, die man sich vielleicht gar nicht bewusst ausgesucht hätte und die einen dann umso mehr überraschen.

Deborah: Ich freue mich unter anderem auf „Ritus“ von Peti Misaila. Ich schätze sie und ihre Arbeit sehr. Gerade auf Festivals finde ich es schön, die Arbeiten von Kolleg*innen zu sehen und zu erleben, womit sie sich die letzten Monate beschäftigt haben. Das ist für mich immer auch eine Form des Austauschs und der Inspiration.

Wie plant Ihr Eure Festivaltage?

Deborah: Ich versuche in München eher, einen strikten Zeitplan zu vermeiden. Natürlich gibt es feste Termine. Aber ich finde es am schönsten, mich treiben zu lassen. Bei der Berlinale habe ich oft schon genug Zeitplan. In München möchte ich lieber schauen, was passiert.

Sabine: Bei mir ist es diesmal etwas strukturierter, weil ich nur wenige Tage da bin. Aber auch ich lasse bewusst Raum für spontane Begegnungen. Oft sind das genau die schönsten Festivalmomente: Go with the Flow.

Ist „Go with the Flow“ vielleicht sogar das perfekte Festivalmotto?

Deborah: Ja, absolut. Wenn ich von Termin zu Termin hetze, fühle ich mich oft nirgendwo richtig anwesend. Ich finde es schöner, offen zu bleiben.

Sabine: Das gehört für mich zu Festivals dazu. Natürlich plant man, aber oft landet man genau dort, wo man eigentlich gar nicht landen wollte – und gerade daraus entstehen die besten Begegnungen.

Was sind Eure persönlichen Festival-Gos und No-Gos?

Deborah: Mein absolutes No-Go ist unbequemes Schuhwerk. Und abzureisen, ohne wenigstens einen Film gesehen zu haben. Ein Go ist für mich, spontane Begegnungen zuzulassen und den Business-Druck ein bisschen herauszunehmen.

Sabine: Ein No-Go ist für mich, intensive Gespräche zu crashen. Ein Go ist Offenheit, neugierig sein, Menschen einbeziehen und auch mal jemanden ansprechen, der allein dasitzt.

Was war Dein überraschendstes Festivalerlebnis, Deborah?

Deborah: Das war wahrscheinlich eine Begegnung bei der Berlinale. Uta Seibicke und ich standen in einem Hotelfahrstuhl und plötzlich betrat Amal Clooney und eine kleine Gruppe den Fahrstuhl. Sie grüßte sehr höflich. Irgendwann dachte ich: Wenn Amal hier ist, kann George eigentlich nicht weit sein. Und da stand er tatsächlich direkt neben ihr. Sie hat eine derart beeindruckende Strahlkraft und Energie, die einfach alle anderen in den Schatten stellten. Das muss man bei zwei Quadratmetern erstmal schaffen. Zu einem Gespräch kam es allerdings nicht. Uta und ich waren viel zu eingeschüchtert. Aber es war einer dieser vollkommen surrealen Berlinale-Momente, die man nicht so schnell vergisst.

Und was war Dein chaotischstes Festivalerlebnis, Sabine?

Sabine: Das war definitiv Locarno. Eine Freundin und ich wollten uns die Reise nur leisten, wenn wir campen. Tagsüber sind wir in die Berge wandern gegangen und abends geschniegelt auf die Piazza zu den Premieren. Die Leute auf dem Campingplatz, haben uns nur im jeweiligen „Preparationsmodus“ erlebt und müssen gedacht haben, wir seien auf der Flucht. Einmal musste ich mitten in einer voll besetzten Vorstellung dringend zur Toilette. Am Ende hat mir tatsächlich ein Carabinieri mit Trillerpfeife einen Weg durch die auf dem Platzboden sitzende Menschenmenge gebahnt. Das war unfassbar peinlich und gleichzeitig großartig, alle haben geklatscht. Dieses war definitiv mein „sportlichstes“ Festivalerlebniss !

Und welches Filmfest München Festivalerlebnis ist bis heute besonders in Erinnerung geblieben?

Deborah: Das war vor einigen Jahren. Ich habe fast das gesamte Festival an der Isar verbracht, ständig Menschen aus der Branche getroffen und wunderbare Gespräche geführt – und am Ende keinen einzigen Film gesehen. Ich bin nach Hamburg zurückgefahren und habe mich deswegen ehrlicherweise ein bisschen geschämt. Gleichzeitig gehört dieses Festival bis heute zu meinen schönsten Erinnerungen an München. Vielleicht auch, weil es genau zeigt, was Festivals ausmachen: die ungeplanten Begegnungen. Vor allem, wenn sie nachhaltig sind.

Sabine: Und genau deshalb liebe ich Festivals. Man reist wegen der Filme an, aber oft sind es auch die Menschen, die Gespräche und die Geschichten dazwischen, die einem am längsten in Erinnerung bleiben. Genau diese Mischung macht für mich den Zauber eines Festivals aus.

Deborah Congia © Natalia Rudziewicz
Deborah Congia © Natalia Rudziewicz
Sabine Weimann © Lenz Harre
Sabine Weimann © Lenz Harre

Deborah Congia

wurde in Hamburg geboren und gründete 2014 Congia Casting. Zuvor war sie viele Jahre als Casting Director bei der Hamburger Filmproduktionsfirma Wüste Film tätig. Zu ihren Arbeiten gehören unter anderem „Morgen war Krieg“ von Nico Ehret, „Schwarzes Gold“ in Zusammenarbeit mit Marion Haack, „Wovon sollen wir träumen“ von Milena Aboyan und Constantin Hatz sowie „Gipsy Queen von Hüseyin Tabak. Deborah ist Vorstandsmitglied des Bundesverbands Casting (BVC) und engagiert sich als Mitglied der Deutschen Filmakademie und unter anderem für Vielfalt im Film und respektvolle Arbeitsprozesse.

Sabine Weimann

zählt zu den erfahrensten Casting Directors Deutschlands und ist Gründungsmitglied des Bundesverbands Casting. Seit vielen Jahren besetzt sie Kino-, Fernseh- und Streamingproduktionen und engagiert sich für die Anerkennung und Sichtbarkeit des Berufsstands. Seit 2026 gehört sie gemeinsam mit Deborah Congia und Karimah El-Giamal dem Vorstand des Bundesverbands Casting an.

Filme von BVC-Mitgliedern beim Filmfest München 2026


Neues Deutsches Kino

„Drei Kameradinnen“ Casting: Jessica Layher

„Erzähl mir dein Morgen“ Casting: Karl Schirnhofer

„Identitti“ Casting: Tanja Schuh

„Morgen war Krieg“ Casting: Deborah Congia

„Schöne Seelen“ Casting: Susanne Ritter

Neues Deutsches Fernsehen

„Chamäleon“ Casting: Karimah El-Giamal

„Der unsichtbare Zeuge“ Casting: Mai Seck

„Die falsche Tochter“ Casting: Liza Stutzky

„Ein Ort, der sich Zuhause nennt“ Casting: Stefany Pohlmann

„Eine Nacht in Bangkok“ Casting: Siegfried Wagner

„Elodie“ Casting: Marc Schötteldreier

„Gnadenlos – Gegen das Gesetz“ Casting: Anja Dihrberg-Siebler, Christine Mattner

„Mimi und ich“ Casting: Iris Baumüller

„Neues Land“ Casting: Cornelia Mareth, Maria Rölcke

„Ritus“ Casting: Peti Misaila

„Selling Sex“ Casting: Peti Misaila, Michaël Bier

„Tatort: Zwischenwelten“ Casting: Siegfried Wagner, Tessa Frank

„Wake Up“ Casting: Liza Stutzky

Spotlight

„Block 10“ Casting: Marc Schötteldreier

„Spaziergang nach Syrakus“ Casting: Marion Haack

Wettbewerb CineKindl

„Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ Casting: Liza Stutzky

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